Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Forschung

Forschungschwerpunkte

  • Jüdisches Leben in der DDR
  • Lager im 20. Jahrhundert
  • Zeitgeschichte und ihre Vermittlung
  • Erfahrungs- und Alltagsgeschichte der Migration im 20. Jahrhundert
  • Geschichtsdidaktik als Wissensgeschichte

Lea Grundig 1906-1977. Migrationserfahrungen im 20. Jahrhundert.

Gefördert von der DFG

Laufzeit 3 Jahre, Beginn: Juli 2020

Bearbeiterin: Lisa Weck (M.A.)

Das Forschungsprojekt verfolgt die Frage, wie sich der Blick auf eine bzw. die Wahrnehmung über einer Person verändert, wenn der Erfahrungsraum der Migration den Ausgangspunkt der Untersuchung bildet. Hierfür werden Fragen der historischen Migrationsforschung mit Fragen der Wissensgeschichte zur Migration und mit Aspekten der Gendergeschichte verbunden. Im Mittelpunkt des Projektes stehen die mehrfachen Migrationserfahrungen der Grafikerin und späteren SED-Kulturfunktionärin Lea Grundig: Deren jüdisch-orthodoxe Herkunftsfamilie war im frühen 20. Jahrhundert aus Galizien nach Dresden umgezogen, in den 1930er Jahren dann nach Palästina emigriert und dort sesshaft geworden, während die Künstlerin Grundig 1948/49 nach Dresden und damit in die SBZ/DDR zurückkehrte. Emigration und Remigration sollen auf erfahrungsgeschichtliche Dimensionen hin befragt werden, da diese sowohl innerhalb der Familie weitergegeben wurden, als auch eigene Erfahrungen lebensgeschichtlich zu integrieren waren. Darüber hinaus brachte sich Grundig auf den verschiedenen Lebensstationen als Künstlerin in die jeweiligen öffentlichen Diskurse ein, so dass man an ihrem Beispiel exemplarisch nachverfolgen kann, wie migrantisches Erfahrungswissen generiert und in die jeweilige Aufnahmegesellschaft eingebracht wurde. Neben Briefen, Tagebüchern und Manuskripten steht hierfür ein bildnerischer Nachlass zur Auswertung bereit, der etwa tausend während der Emigration entstandene Illustrationen umfasst und auszugsweise in die Analyse mit einbezogen wird. Im Ergebnis wird eine Biografie entstehen, die danach fragt, wie die erzwungene und die selbstbestimmte Migration im 20. Jahrhundert das Leben einer Künstlerin prägten, die sich zeitlebens in den für deutsch-jüdische Kommunistinnen oft charakteristischen Spannungsfeldern zwischen Emanzipation und Einbindung bzw. Aufbruch und Anpassung bewegte.

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