Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2019/20

Religion, Nation und Gesellschaft im 19. Jahrhundert
Typ: PS (BA-EM-S)
Zeit: Donnerstag 16:00 - 18:00
Ort: Seminarraum (Indologie)
Ein „Dauergespräch über Religion“ hat unlängst Dieter Langewiesche den europäischen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts attestiert und damit den Umstand beschrieben, dass der hier zu beobachtende Prozess zunehmender Säkularisierung und damit auch Diskursivierung von Religion und Konfession zugleich deren Vitalisierung bedeutete, ja eine „Erfolgsgeschichte“ von Religion zeitigte, die in den meisten Modernisierungstheorien so eigentlich nicht vorgesehen war. Mit gleichem Recht hätte er damit allerdings auch die Sozialgeschichte zum langen 19. Jahrhundert charakterisieren können, die seit der Abkehr von eben jenen Theorien und der Öffnung zur Kulturgeschichte ebenfalls in ein (mal mehr mal weniger) produktives Dauergespräch über Religion eingetreten zu sein scheint, dessen Ende gegenwärtig nicht abzusehen ist.
Im Seminar wollen wir nun an diesem Gespräch teilnehmen und einige Aspekte und Kontroversen näher untersuchen. Ausgehend von konzeptionellen Überlegung zu Möglichkeiten und Grenzen einer „Sozialgeschichte der Religion“ (B. Ziemann) und ihrem „Theologiebedarf“ (F.W. Graf) soll dabei besonders das Verhältnis von Religion(en) und Nation im Mittelpunkt stehen und vergleichend untersucht werden.
Religiöse ‚Musikalität’ (in Anlehnung an Max Weber) ist für die Teilnahme keine Voraussetzung, wohl aber die Bereitschaft zur intensiven, kritischen Lektüre der Seminartexte.
Zur Einführung bestens geeignet: Benjamin Ziemann, Sozialgeschichte der Religion, Frankfurt/M. 2009. Als Einführung und Forschungsüberblick zu Deutschland ebenfalls sehr empfehlenswert Helmut W. Smith, Chris Clark, The Fate of Nathan, in: Dies. (Hg.), Protestants, Catholics and Jews in Germany, 1800-1914, Oxford/New York 2001, S. 3-29.
Max Webers Schlüsseltexte zur Religion
Typ: Seminar (BA-T)
Zeit: Donnerstag 12:00 - 14:00
Ort: Seminarraum 23 A (Raum 2.02) [LuWu 2]
Max Webers Aufsätze zur Religionssoziologie, und hier insbesondere „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ (erstmals erschienen 1904/05, erweitert dann 1920), gehören sicherlich zu den meistzitierten, wohl auch umstrittensten, auf jeden Fall aber anregendsten Arbeiten historischer Sozialwissenschaft im 20. Jahrhundert – es sind also klassische Texte par excellence, und das heißt oft eben auch: man glaubt sie zu kennen, hat von der sog. „Weberthese“ schon einmal irgendwo gehört und meint darum, der Lektüre entraten zu können.

100 Jahre nach ihrem Erscheinen will das Seminar nun Gelegenheit geben, sich diesem vermeintlichen Halbwissen zu stellen und das heißt, sich jenen Texten einmal selbst wieder zuzuwenden, in denen Weber die Entstehung, die Eigenart und, nicht zuletzt auch, die Abgründe des modernen Kapitalismus als Teil des okzidentalen Rationalismus verstehend erklären, sprich: begreiflich machen wollte.

Nachdem wir uns dazu zunächst aus „Wissenschaft als Beruf“ Webers spezifischen Zugang zur Religion erschlossen haben, wollen wir gemeinsam die zentralen Texte der „RS I“, also die „Vorbemerkung“, die „Protestantische Ethik“, die „Einleitung zur Wirtschaftsethik der Weltreligionen“ sowie die „Zwischenbetrachtung“ lesen, die Argumente analysieren und nicht zuletzt auch die Grenzen Webers sowie Anknüpfungsmöglichkeiten für gegenwärtige Fragen und Forschungen diskutieren.
Literatur:
Zur antiquarischen Anschaffung empfohlen: Weber, Max: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd.1, Tübingen 1920 u.ö. (UTB).
Zur allgemeinen Einführung: Kaesler, Dirk: Max Weber, Frankfurt/M.1998.
Zur PE: Tyrell, Hartmann: Worum geht es in der ‚Protestantischen Ethik’?, in: Saeculum, 41(2), S. 130-178; Lehmann, Hartmut: Max Webers „Protestantische Ethik“. Beiträge aus der Sicht eines Historikers, Göttingen 1996; Sokoll, Thomas: Max Webers Protestantismusthese und die Historiker. Protokoll einer Verdrängung, in: Detlev Lehnert (Hg.), Max Weber 1864-1920. Politik – Theorie – Weggefährten, Köln u.a. 2016, S. 195-216.

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