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Langfristige Forschungsschwerpunkte der Professur für Geschichte der Neuzeit

GAMe – GeschichtsAneignung in der Mediengesellschaft

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bricht sich ein einflussreicher Trend Bahn: „Geschichtsevents“ werden im Fernsehen, im Internet und in Computerspielen mit größtem Erfolg angeboten. Millionen sind so nicht nur zum Mit-Erleben, sondern auch zum Mit-Leben, zum aktiven Neu-Gestalten von Erinnerung aufgefordert. Das zeitigt auch für traditionelle Vermittlungsagenturen der Geschichte wie die Schule und die Gedenkstätte Folgen.

Bis heute verfügen wir jedoch über nur wenige belastbare empirische Studien zu den Modi der Rezeption dieser historischen und historisierenden Angebote. Die mit diesen Geschichtsformaten verknüpfte Kardinalfrage ist wissenschaftlich unbearbeitet und daher auch unbeantwortet: Wie nutzen und wie eignen sich welche Publika diese neuen multi- und crossmedialen Offerten des Historischen an?

Diesem kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Manko wollen wir mit dem interdisziplinären und internationalen Forschungsverbund „Geschichtsaneignungen in der Mediengesellschaft“ begegnen. Unser Erkenntnisinteresse ist es dabei, mit Hilfe transdisziplinärer Methoden erstmals systematisch und koordiniert Geschichtsaneignungen in europäischen Gesellschaften vergleichend zu untersuchen.

Während der Verbund zunächst ein besonderes Augenmerk auf Jugendliche als Akteure der Mediennutzung legte, erweitern wir in der nächsten Phase des Forschungsnetzwerkes die Perspektive und fragen nach dem konkreten Umgang des Einzelnen mit den angeeigneten Wissensbeständen. Dabei spielen Jugendliche und Erwachsene verschiedener Herkunft gleichermaßen eine gewichtige Rolle, um herausfinden zu können wie diese mit Erinnerungsdiskursen der Gegenwart umgehen und sich diesen gegenüber positionieren.

Eine zusätzliche Dimension der Fortführung wird schließlich die filmhistorische Analyse der „großen Unterhaltungsshows“ des vergangenen Jahrhunderts bilden. Fungierend als audiovisuelle Quellen wird in der Auseinandersetzung mit den publikumsbindenden Entertainmentformaten der 1950er bis 1970er Jahre Chiffren nachgespürt werden, die für die politische Atmosphäre der damaligen Zeit standen.

Forschungsschwerpunkt: Religion und Gesellschaft(en) im 20. und 21. Jahrhundert

Heute wird das 20. Jahrhundert gemeinhin als ein „Zeitalter der Extreme“ (Eric J. Hobsbawm) verstanden, dessen Umbrüche und Krisen hauptsächlich von politischen Ideen und Ideologien geprägt waren. Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit geraten auch andere, ebenso maßgebliche wie bedeutsame Veränderungen in den Blick historiografischer Forschungen. Dies gilt insbesondere für die Offenlegung und transdisziplinäre Analyse individueller Aneignungs- und Aushandlungsprozesse von Religion und Religiosität in den pluralistischen Gesellschaften des modernen Massen- und Medienzeitalters. Zumindest in westeuropäischen Gesellschaften scheint sich die alltägliche Bedeutung von Religion dabei sukzessive von der amtskirchlich-ritualisierten Ebene immer stärker in die Privatsphäre des Einzelnen zu verlagern.

Es deutet vieles darauf hin, dass diese Einschätzung insbesondere hinsichtlich nicht-katholischer Bedeutungszuschreibungen gegenüber dem Papst zutrifft, dessen Amt weltweit einzigartig ist. Zweifellos begeistert Papst Franziskus mehr Angehörige anderer Konfessionen und Religionen für sich, als jemals ein Pontifex zuvor. Auf der anderen Seite entstanden und entstehen dadurch allerdings auch Spannungen und Veränderungen innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche und nicht-katholischen Glaubensgemeinschaften, deren Tragweite noch überhaupt nicht abzuschätzen ist. Die Ursachen und Akteur*innen hinter diesen komplexen Prozessen sollen untersucht und wissenschaftlich urbar gemacht werden.

Forschungsschwerpunkt: Kriegs- und Besatzungskinder

Der Lehrstuhl für die Geschichte der Neuzeit erforscht unter Einnahme kulturhistorischer und historisch-anthropologischer Perspektiven die Erfahrungen von Kriegskindern für den Zeitraum des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Auf dieser Basis wurden übergreifende Projekte in Forschung und Lehre profiliert.

siehe auch: (LINK)aktuelle Forschungsprojekte(LINK)

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