Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Forschung - Dr. Kai Struve

BMBF-Kompetenznetz „Phantomgrenzen in Ostmitteleuropa“
Teilprojekt: „Nationalisierungsprozesse in Oberschlesien“

Das Ziel des Verbundprojekts „Phantomgrenzen in Ostmitteleuropa“ ist es herauszuarbeiten, in welcher Weise und in welchem Maße nicht mehr existente, frühere politische Grenzen politische und gesellschaftliche Prozesse in späteren Zeiten beeinflussen. In dem Teilprojekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wird dieser Frage anhand der Untersuchung von Nationalisierungsprozessen in Oberschlesien im 19. und 20. Jahrhundert nachgegangen. Charakteristisch für Oberschlesien ist, dass hier Nationalisierungsprozesse am Ende des 19. Jahrhunderts nur von relativ begrenzter gesellschaftlicher Reichweite waren. Es bildete sich eine spezifische regionale Kultur und Mentalität heraus, die sich in den jeweiligen Nationalstaaten, denen Teile Oberschlesiens im 20. Jahrhundert angehörten, als Phantomgrenzen bemerkbar machten. In dem Forschungsprojekt soll zum einen nach der Genese dieser Kultur und Mentalität gefragt und herausgearbeitet werden, inwieweit ihre Entstehung durch ältere Grenzziehungen beeinflusst wurde, und zum anderen soll danach gefragt werden, auf welche Weise diese regionale Kultur und Mentalität im 20. Jahrhundert Phantomgrenzen konstituierte.

Der Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges und Gewalt gegen Juden während des Sommers 1941 im östlichen Polen (DFG-Projekt)
[abgeschlossen; Laufzeit 1. August 2008 - 31. Juli 2011]

Das Forschungsprojekt untersucht die Welle gegen Juden gerichteter Gewalt in den ersten Wochen nach dem Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges am 22. Juni 1941 in den von der Wehrmacht neu besetzten Gebieten des östlichen Polens. Die Gewalt entstand aus mehreren Kontexten und äußerte sich in unterschiedlichen Formen. Dazu gehörten die deutschen „Reinigungs-“ oder „Sicherungsoperationen“ – meist in der Form von Massenexekutionen ­­–, die Initiierung von Pogromen durch einheimische nationalistische Kräfte sowie spontane judenfeindliche Ausschreitungen. Das Projekt fragt nach den den Ursachen der Gewalt in den verschiedenen Kontexten und nach ihrem Zusammenhang. Der Schwerpunkt der Quellenforschung liegt auf den mehrheitlich ukrainischen Gebieten Ostgalizien und Wolhynien, während das Geschehen in den anderen Regionen Ostpolens vergleichend einbezogen wird. In methodischer Hinsicht legt die Studie ein großes Gewicht auf die Untersuchung der Gewaltereignisse selbst. Insbesondere die Pogrome enthielten meist auch symbolische Dimensionen, die Auskunft über Motivationen und Selbstinterpretationen der Täter zu geben vermögen. Im Sinne der neueren Kulturgeschichte und damit in einer gegenüber den bisherigen Forschungen innovativen Weise werden sie als lesbare Ereignisse betrachtet.

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