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Professur für Osteuropäische Geschichte

Prof. Dr. Yvonne Kleinmann
Prof. Dr. Michael G. Müller

Sekretariat: Sylvia Opel
Zimmer: 1.59.0
Tel. / Fax: ++49 (0)345 55 - 24281 / 27101
Sprechzeit: Mo.-Do. 9.00-12.00, 14.00-15.00; Fr. 9.30-12.00 Uhr

Geschichte Osteuropas

Im Unterschied zu den anderen Arbeitsgebieten der Geschichtswissenschaft ist die Osteuropäische Geschichte nicht durch bestimmte epochale oder methodische Zuständigkeiten, sondern durch einen regionalen Bezug definiert. Sie befasst sich mit Osteuropa in allen historischen Epochen und - grundsätzlich - auch unter allen methodischen Gesichtspunkten. Dass Osteuropa damit gewissermaßen einen "Sonderstatus" einnimmt, hat vor allem mit der historischen Entwicklung des Arbeitsgebiets zutun. Da für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte Osteuropas recht spezialisierte Sprach- und Landeskenntnisse erforderlich sind, gab es zwar auch praktische Gründe, dieses Forschungsgebiet an den Universitäten als einen gesonderten Bereich aufzufassen und zu organisieren. Doch liegen der disziplinären Absonderung nicht zuletzt bestimmte traditionelle Vorstellungen von der historischen Geographie Europas zugrunde, welche inzwischen zum Teil zweifelhaft erscheinen: Osteuropa wurde Langezeit als ein vom "Westen" (einschließlich Deutschlands) grundlegend verschiedener Geschichtsraum verstanden, und entsprechend schien ein besonderer Zugang gerechtfertigt und geboten. Heute würde man dagegen die Zugehörigkeit der Großregion zu Europa als Ganzem unterstreichen und die geschichtswissenschaftliche Aufteilung des Kontinents in West und Ost damit in Frage stellen; auch sind wir sensibler geworden für die großen Strukturunterschiede innerhalb der Großregion, die an der historischen Einheit Osteuropas zweifeln lassen. So ist Osteuropäische Geschichte heute in erster Linie als ein wissenschaftsorganisatorisch und ausbildungspraktisch begründetes Teilgebiet der Geschichtswissenschaft zu verstehen. In der Lehre steht die Osteuropäische Geschichte im Wesentlichen in folgenden Zusammenhängen. Weiterhin bietet sie eine spezialisierte Ausbildung von Osteuropa-HistorikerInnen an also die Vermittlung des Fachwissens und der methodisch-sprachlichen Fertigkeiten, welche für eine wissenschaftlich fundierte Beschäftigung mit der Geschichte Russlands, Polens, Böhmens etc. erforderlich sind. Zum andern - und in wachsendem Maße - geht es darum, Osteuropa in die Betrachtung europäischer Geschichte in vergleichender Perspektive einzubeziehen, d.h. zur Lehre in der "allgemeinen" Geschichte dadurch beizutragen, dass Grundkenntnisse über Osteuropa vermittelt und zum breiteren Vergleich übe nationale Grenzen hinweg angeregt wird. Nicht zuletzt aber kann die Osteuropäische Geschichte einen Beitrag zum Verständnis der deutschen Geschichte leisten, indem sie deren "osteuropäische Anteile" darstellt. Beispiele hierfür sind die so genannte Ostdeutsche Landesgeschichte, die ja zugleich eine Geschichte Westpolens war, oder die Geschichte der Beziehungen Deutschlands zu einzelnen osteuropäischen Ländern, wie sie durch Wirtschaftsverflechtungen, Politik, kulturelle Einflüsse entstanden sind. Forschung zur Osteuropäischen Geschichte wird in Halle mit einer Reihe von regionalen und methodischen Schwerpunkten betrieben. Zentral ist die Beschäftigung mit der Geschichte Ostmitteleuropas (Polen, Böhmen, Ungarn) vom 16. bis 20. Jahrhundert, unter Fragestellungen der vergleichenden Gesellschafts-, Verfassungs- und Kulturgeschichte; Einzelprojekte sind hier ein Vergleich von Trägerschichten und Praxisfeldern ständischer Politik in Ostmitteleuropa in der Frühneuzeit Untersuchungen über Eliten und sozialen Wandel in Ostmitteleuropa im 19. Jahrhundert, oder Studien zu Religion und Gesellschaft in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit. Einen zweiten Schwerpunkt bilden Arbeiten zur russischen und sowjetischen Geschichte im 20. Jahrhundert, auch der Zeit nach 1945. Schließlich werden eine Reihe von Themen zur Beziehungsgeschichte zwischen Deutschland und Osteuropa bearbeitet. Die Osteuropa-Historiker in Halle unterhalten eine Reihe von engen Kooperationsbeziehungen zu Universitäten und Forschungsinstituten in Osteuropa, aber auch zu Osteuropa-Experten in England, Frankreich, Italien und den USA. Diese Kontakte kommen nicht zuletzt der Förderung der Fachstudenten zugute. Vorkenntnisse in osteuropäischen Sprachen werden für die Teilnahme an Lehrveranstaltungen in Osteuropäischer Geschichte nicht vorausgesetzt. Das Institut für Geschichte bemüht sich, die an Osteuropa interessierten Studenten in Bezug auf den Erwerb von entsprechenden Sprachkenntnissen zu beraten und aktiv zu unterstützen.

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