"Krankes Ich - heilendes Wir?" Der 'depressive Mensch' als gesellschaftl. Projekt in der DDR 1945 - 1975
Eine Therapie- und Gesellschaftsgeschichte der Depression im Sozialismus
Anfang der 1950er Jahre machte sich die DDR auf den ‚planmäßigen Weg‘ in eine bessere Zukunft. Der forcierte Aufbau des Sozialismus verlangte nicht nur von Funktionseliten, sondern von der ganzen Bevölkerung größtes Engagement und höchste Leistungen. Jedoch gab es Menschen, die an den Herausforderungen dieses Aufbruchs in eine neue Gesellschaft und am Anspruch eines „neuen Menschen“ scheiterten. Depressive Menschen etwa stellten mit ihren krankheitstypischen Symptomen wie Traurigkeit und Antriebslosigkeit eine Abweichung von der propagierten gesellschaftlichen Dynamik dar. Uns interessiert, wie mit jenen Menschen umgegangen wurde, denen es krankheitsbedingt kaum oder gar nicht möglich war, am vorwärtsdrängenden sozialistischen Projekt mitzuwirken.
Im Zentrum des Projekts steht der „depressive Mensch“, der den tagtäglichen Anforderungen der DDR-Arbeitsgesellschaft nicht genügte und den verordneten Optimismus nicht aufbringen konnte. Wir untersuchen Diskurse und Zuschreibungen, die mit depressiven Menschen verknüpft wurden – vor allem am Behandlungsort, in unserem Fall die Klinik für Psychiatrie und Neurologie der Universität Halle (Saale). Ziel ist es, individuelle Vorstellungen und kollektive Normen sichtbar zu machen, die es erlauben, Grenzfragen nach Anpassung und Devianz, nach Toleranz und Unterstützung, nach Stigmatisierung und Pathologisierung sowie nach medizinischer Behandlung mit und ohne medikamentöse Hilfe zu verstehen.
Projektleitung
Mitarbeiter*innen
- Charlotta Cordes (MLU Halle-Wittenberg)
- Dr. Christian König (MLU Halle-Wittenberg)
- Jonas Leonhard Mileta (TU Dresden)




