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Professur für Zeitgeschichte

Prof. Dr. Patrick Wagner

Sekretariat: Simone Barth
Zimmer: 1.64.0
Tel. / Fax: ++49 (0)345 55 - 24294 / 27611

Sprechstunde: Donnerstag 14.00 - 15.00 Uhr

Zeitgeschichte

Die Zeitgeschichte befasst sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wichtige Zäsuren sind der Erste Weltkrieg bzw. das Jahr 1917 mit der Russischen Oktoberrevolution und dem Eintritt der USA in einen europäischen Krieg. Bereits hier wird deutlich, dass Zeitgeschichte nicht auf Europa begrenzt ist, sondern auch die außereuropäische Welt mit ihren Einwirkungen auf den Kontinent und umgekehrt berücksichtigt.

Die zweite Zäsur und den Beginn der "neuen" Zeitgeschichte stellt das Jahr 1945 dar. Erfasst wird damit der Zeitraum bis zum Ende des Kalten Krieges. In diesen Kontext gehören auch die Auflösung der Kolonialreiche, die Entstehung neuer Staaten, europäische "Stellvertreterkriege" in der "Dritten Welt" und die Einwanderung nach Europa.

In jüngster Zeit ist der Vorschlag gemacht worden, eine dritte Phase für den Zeitraum seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und den Veränderungen in Ost- und Mitteleuropa anzuerkennen. Die Zeitgeschichte unterscheidet sich von anderen historischen Epochen vor allem aus drei Gründen:

1. durch die zeitliche Nähe zum Forschungsgegenstand,

2. durch die Überschneidung der Erlebniswelt von Zeitgenossen und Quellen und

3. durch den monumentalen Quellenbestand.

Aus den ersten beiden Punkten ergibt sich, dass die politischen Akteure noch selbst in die Diskussion eingreifen können. Dies führt häufig zu lebhaften Kontroversen, hat andererseits jedoch einen neuen methodischen Zugriff hervorgebracht - die "Oral History", die Befragung von Zeitzeugen. Das "Miterleben" war Ansatz für die wichtigen Arbeiten zur Zeitgeschichte, die nach 1945 in Deutschland über die Entstehung des Nationalsozialismus entstanden sind. Dies führte zugleich zu einer stärkeren Berücksichtigung politikwissenschaftlicher, soziologischer und ökonomischer Interpretationsansätze. Es zeigt sich bereits, dass das Ende der DDR einen ähnlich großen Aufschwung der Zeitgeschichtsforschung ausgelöst hat, besteht doch ein großes gesellschaftliches Bedürfnis, die bisher nicht zugängliche oder tendenziös interpretierte Geschichte des anderen deutschen Staates aufzuarbeiten. Der dritte Punkt berührt die besondere Quellensituation des Zeithistorikers, die sich aus dem sozialen und technisch-bürokratischem Wandel seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ableitet. Wie kann ein Thema nach der Einführung des Telefons und gegenwärtig des Internets objektiv dargestellt werden? Das Gleiche gilt für Film-, Foto- und Tondokumente wie für die moderne Meinungsforschung. Derartige Kommunikationsformen entziehen sich immer mehr den Möglichkeiten der traditionellen Erschließung von Quellengattungen. Trotzdem gilt für die Zeitgeschichte, dass auch diese neuen Quellenarten, die Quellenquantität und -qualität den methodischen Prinzipien der traditionellen Quellenkritik unterliegen.

Am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität wird die Zeitgeschichte in ihrer gesamten Breite in Forschung und Lehre vertreten. Schwerpunkte sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der DDR sowie Kontinuität und Wandel industrieller Eliten vom Ersten Weltkrieg bis in die siebziger Jahre. Des Weiteren werden Veranstaltungen zur Stadtgeschichte in Sachsen-Anhalt und zur Geschichte der Martin-Luther-Universität im 20. Jahrhundert angeboten.

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