Hallesches Wappen

Weiteres

Login für Redakteure

Ontologie historischer, deutschsprachiger Berufs- und Amtsbezeichnungen

OhdAB-Logo

OhdAB-Logo

OhdAB-Logo

Katrin Moeller unter Mitarbeit von Katja Liebing, Felix Schneider, Anna-Katharina Bachmann, Natalie Kestel, Jürgen Schiller und Olaf Simons (Datenkuration und Datenmanagement): ‚Ontologie der historischen, deutschsprachigen Amts- und Berufsbezeichnungen‘ (OhdAB), Version 1.0.0, Halle (Saale) Freitag, 13. Februar 2026, DOI: 10.22000/2p3b9145524dxqvw   .

OhdAB

Berufsbezeichnungen sind eine der häufigsten Angaben von individualspezifischen Quellen. Besonders in den Wirtschafts-, Sozial- und Politikwissenschaften, den Geisteswissenschaften und einigen naturwissenschaftlichen Disziplinen (Sozialtopografie, Medizin, Arbeitsmedizin, Epidemiologie etc.) bieten Berufsbezeichnungen daher einen wichtigen Bezugspunkt sozialstruktureller Analysen. Dazu kommen verschiedene Formen von Berufsklassifikationen zum Einsatz. Sie lassen sich ganz allgemein in drei große Schemata einteilen. Es werden Modelle verwendet, die

  • (a) Tätigkeitsprofile und Branchen systematisieren, die
  • (b) Anforderungsniveaus, Bildungs- und Qualifikationsaspekte charakterisieren oder
  • (c) soziales Prestige und Sozialstrukturen messen.

Die ‚Ontologie der historischen, deutschsprachigen Amts- und Berufsbezeichnungen‘ (OhdAB) ist ein Klassifikationssystem zur Einordnung von Tätigkeiten und Anforderungsniveaus in historischen und modernen beruflichen Kontexten. Die Systematik basiert auf historischen Ständebezeichnungen und wurde quellenbasiert aus verschiedenen Quellen entwickelt. Sie umfasst fünf hierarchische Ebenen—von einer Grobklassifikation in zehn Berufsbereiche bis hin zu einer feingliedrigen Differenzierung von mittlerweile 1.911 Berufsgattungen. Insgesamt werden bisher 46.000 Berufsnamen normalisiert. Für jeden Namen werden eine geschlechtsübergreifende sowie jeweils eine weibliche und eine männliche Schreibweise bereitgestellt und zusammen mit persistenten Identifiern angeboten. Die Taxonomie liegt vollständig in deutscher und englischer Sprache vor; die Übersetzung historischer Berufsbezeichnungen ins Englische erfolgte mithilfe von DeepL und wurde (nur) teilweise manuell nachbearbeitet. Für die modernen Berufsbezeichnung hat diese Übersetzungsarbeit die Agentur für Arbeit, Abteilung Statistik geleistet englische Sprache   ). Insgesamt zeigt sich die automatische Übersetzung feingranularer Berufsbezeichnung nicht ausreichend passend.

Nach der Methodik und Verfahrensweise der modernen, nationalen Klassifikation der Berufe 2010/20 werden die Berufe in einer fünfgliederigen Hierarchie nach der Tätigkeit, Berufsfachlichkeit und Anforderungsniveaus systematisiert. Zugleich können Normbezeichnungen, männliche und weibliche Berufsbezeichnungen sowie englischsprachige Übersetzungen recherchiert werden. Persistente Identifier (Q-Nummern) ermöglichen eine Nutzung als Linked Open Data. Die Ontologie kann in verschiedenen Formen genutzt werden:

  1. Veröffentlichung auf FactGrid mit Dokumentation zur einzelnen Recherche und zum kompletten Download sowie einer Visualisierung der Gruppen und Hierarchien. Hier finden sie immer den aktuellen Stand der OhdAB: FactGrid:OhdAB-Datenbank – FactGrid   
  2. Langzeitarchivierung der Version 1.0.0 im Fachrepositorium Radar, die in bestimmten Abständen mit neuen Versionen aktualisiert wird: Ontologie der historischen, deutschsprachigen Amts- und Berufsbezeichnungen   
  3. Matchingservice "Occupation Curation" am Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt, hier können Sie Ihre Berufe von Fachpersonal mit der Klassifikation matchen lassen.

Grundlegend basiert das System der OhdAB auf der Klassifikation der Berufe 2010/20 der Bundesagentur für Arbeit (Bundesagentur für Arbeit 2021)   . Dabei hat sich OhdAB an der Methodik, an der Erfassung und Messung von Ähnlichkeiten beruflicher Tätigkeiten auf der Grundlage von einerseits Kompetenzen und Berufsfachlichkeit sowie andererseits von Anforderungsniveaus an der KldB orientiert. Die Datenbestände unterliegen daher im Wertebereich kleiner B XXXXX-500 vollständig dem Urheberrecht der Bundesagentur für Arbeit, Statistik, die aber für ihre Daten und Tabellen eine Lizenz zur unbeschränkten Vervielfältigung und Verbreitung erteilt haben. Alle hier veröffentlichten Daten, die aus dem vorbenannten Datenbereich stammen, wurden den Tabellen der Klassifikation der Berufe 2010/20 entnommen und werden von dieser [https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Home/Service/Impressum/impressum_node.html    Lizenz) erfasst. Ich danke den Herausgebern und Herausgebern der Klassifikation der Berufe für diese großzügigen Nutzungsmöglichkeiten. Die Weiterführung der KldB 2010/20 ermöglicht einen Vergleich zwischen historischen und modernen Berufswelten und die Anbindung des modernen nationalen und internationalen Standards. Gleichzeitig stellt die KldB 2010 ihrerseits die Konkordanz zum internationalen Standard ISCO-08 (ISCO   ), älteren Varianten der KldB sowie weiterer relevanter Vokabulare und Analysewerkzeuge her. Zudem leistet sie eine Übersetzung der modernen Berufsnormbezeichnungen in die englische Sprache.

Übersicht der Berufsgruppen (Statistik)

BezeichnungKenn-zeichnungAnzahl KldB 2010/2020Anzahl OhdAB
Berufs- und Standesangaben0-StellerBA= 808 (1,8%)
B=45.192 (98,2 %)
Berufsbereiche1-Steller10A= 6 Kategorien
B=10 Kategorien
Berufshauptgruppen2-Steller37A= 22 Kategorien
B= 47 Kategorien
Berufsgruppen3-Steller144A= 80 Kategorien
B= 161 Kategorien
Berufsuntergruppen4-Steller700 (2020: 702)A= 156 Kategorien
B= 770 Kategorien
Berufsgattungen5-Steller1.286 (2020: 1300)A=178 Kategorien
B= 1.733 Kategorien
Normbezeichnungen23.99846.000 Items

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Klassifikation der Berufe 2010/20

Die OhdAB ergänzt die KldB 2010/20 in behutsamer Weise, um die Anschlussfähigkeit an nationale und internationale Standards moderner Beruflichkeit fortgesetzt zu gewährleisten. Doppelungen und Fehler der KldB 2010/20 wurden daher nicht beseitigt, um die Konkordanz zu ihr zu erhalten. Eine wesentliche Neuerung zur KldB 2010/2020 ist die Aufteilung in zwei große Teilbereiche: allgemeiner Standesbezeichnungen (A XXXXX-XXX) und beruflicher Standesbezeichnungen (B XXXXX-XXX). In den Bereich A fallen Bezeichnungen, die keine erwerbsspezifischen oder beruflichen Tätigkeiten im heutigen Sinne darstellen, in historischen Quellen jedoch als Standesbezeichnungen fungieren. Beispiele hierfür sind Bezeichnungen für erwerbs- oder beschäftigungslose Personen (wie „Arme“, „Vaganten“, „Schüler“), Verwandtschaftsbeziehungen, Titel, Nationalitäten, Rechtstitel, Religionszugehörigkeiten, Eigentümer- oder Besitzverhältnisse sowie diverse Funktionen in Vereins- und Organisationskontexten. Die Systematik dieses Teilbereichs ist vorläufig und soll zukünftig noch weiter verbessert werden.

Weiterhin wurden neue Berufshauptgruppen (2-Steller), Berufsgruppen (3-Steller) und weitere Klassifikationseinheiten eingeführt, insbesondere um historisch nicht ausreichend abgebildete Tätigkeiten zu berücksichtigen. Historische Berufsnormnamen, die über den Umfang der KldB hinausgehen, erhalten eine Individualbezeichnung ab A/B XXXXX-500 aufwärts. Grundsätzlich wurden Rubriken für allgemeine, weniger präzise Berufsnennungen geschaffen und zahlreiche Hilfskrafttätigkeiten systematisch den passenden Berufsuntergruppen zugeordnet.

Zu den zentralen Abweichungen der OhdAB gegenüber der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB) zählt daher die Einführung allgemeiner Berufskategorien. Während die KldB 2010 darauf abzielte, allgemeine Kategorien zugunsten einer spezifischeren Zuordnung von Berufen aufzulösen, erwies sich diese Vorgehensweise insbesondere im Umgang mit historischen Berufsbezeichnungen aus seriellen Quellen als problematisch. In solchen Quellen werden häufig sehr allgemeine Berufsangaben wie etwa „Handarbeiter“, „Beamter“ oder „Meister“ verzeichnet, die sich nicht unmittelbar eindeutigen Tätigkeiten oder spezifischen Berufsgruppen zuordnen lassen. Um diese Herausforderungen zu adressieren, wurden in der OhdAB allgemeine Berufskategorien geschaffen, die jeweils als erste Gruppe eines Berufsbereichs angesiedelt und systematisiert wurden (z. B. B 20001–500: „Hilfsarbeiter/in, Unspezifische Berufe in der Produktion“).

Ein weiterer wesentlicher Erweiterungsbereich betrifft das Militärwesen. Da die historische Organisation und Aufgabenstruktur des bewaffneten Personals in vielerlei Hinsicht von heutigen militärischen Strukturen abweicht, wurden gezielt Anpassungen vorgenommen. Insbesondere auf Ebene der Berufsgruppen wurden drei neue Klassen integriert:

  • B 015 „Angehörige von Stadt- und Hofwachen“,
  • B 016 „Sonstige militärische Einheiten“,
  • B 017 „Militärische Versorgungskräfte“.

Diese Bereiche verdanken ihre Weiterentwicklung besonders der engagierten Tätigkeit von Anna-Katharina Bachmann. Sie werden in einer gesonderten Dokumentation nochmals ausführlicher beschrieben.

Eine ähnliche Anpassung sollte mit Version 2.0.0 für die Gruppe der Handelskaufleute und des geistlichen Personals erfolgen, für die wir schon einige Vorbereitungen getroffen haben. Vergleichbare Anpassungen erfolgten für Berufsbezeichnungen des Zeremonial- und Hofwesens (B 641 „Zeremonial- und Hofwesen“). Diese Gruppe war bislang in der KldB nicht abgebildet und ist durch ein schwer zuzuordnendes Spektrum von Tätigkeiten (exekutive, legislative, verwaltende, versorgende und weitere Aufgaben) charakterisiert. Die Einführung einer neuen, eigenständigen Berufsgruppe im OhdAB trägt der komplexen historischen Realität in diesem Bereich Rechnung.

Anders als die Klassifikationssysteme für moderne Beruflichkeit soll OhdAB kein Klassifikationssystem repräsentieren, das aufgrund sich ändernder Berufsfelder immer wieder neu zusammengesetzt wird, wiewohl natürlich Ableitungen, Spezialtaxonomien und Neuanordnungen mit Konkordanz zur OhdAB/KldB immer möglich und ausdrücklich gewünscht sind. OhdAB bemüht sich dagegen als Normdatenbestand historische Berufsbezeichnungen persistent zu adressieren, analytisch auswertbar zu machen und für die große Zahl an historischen Quellen mit Berufsbezeichnungen persistente Identifikatoren mit eindeutiger Zuordnung besonders für webbasierte Repräsentationen und Verlinkung zu schaffen. Dies heißt jedoch nicht, dass Korrekturen und Aktualisierungen nicht möglich wären, die zukünftig als Versionen zur Verfügung gestellt werden können.

Zum Seitenanfang