Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Forschung

Forschungsschwerpunkte

  • administrative Schriftlichkeit
  • Praktiken städtischen Verwaltens im Spätmittelalter
  • frühmittelalterliche Hagiographie
  • Raumtheorie
  • jüdisches Leben im mittelalterlichen Ashkenaz

Dissertationsprojekt

Spätmittelalterliche Stadtbücher als Medien administrativer Wissensproduktion am Beispiel der Städte Friedberg und Gelnhausen

Das Dissertationsprojekt setzt sich mit Praktiken der Informationsverarbeitung im Medium der sogenannten Stadtbücher auseinander. Die Basis der Arbeit bildet dabei die Annahme, dass die Buchform eine Innovation des mittelalterlichen Verwaltens darstellte, die spezifische Formen der Informationsselektion, -anordung und -nutzung erforderte und hervorbrachte. Stadtbücher stellen also besondere Mittel der Einhegung von Kontingenz im Kommunikationsprozess bereit, welche Anschlusskommunikation und damit auch die Herausbildung und Stabilisierung von Sinnhorizonten wahrscheinlicher machen.

Das Ziel ist es, diese Mechanismen der Wissensproduktion auf der Basis einer dichten Beschreibung der Produktions- und Rezeptionspraktiken, in die die Stadtbücher eingebunden waren, herauszuarbeiten. Im Zentrum der Analyse stehen deshalb kleinteilige Untersuchungen des Schreibens, das Ordnens und des Nutzens von Stadtbüchern im Kontext städtischen Verwaltens vom 14. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Dadurch soll die Arbeit einen Schritt von teleologischen Narrativen der Bürokratisierung und Rationalisierung des Verwaltens zurücktreten und stattdessen die spezifischen Ausformungen der genannten Praktiken als historisch kontingente Phänomene in den Blick nehmen.

Die Quellengrundlage der Arbeit bilden dabei die spätmittelalterlichen Stadtbuchbestände der beiden wetterauischen Reichsstädte Friedberg und Gelnhausen, die jeweils über einen vergleichsweise dichten Quellenkorpus bestehend aus Originalbeständen und sekundärer Überlieferung verfügen. Aufgrund der Ähnlichkeiten der beiden Städte hinsichtlich ihrer Größe und Lage, ihres Rechtsstatus und ihrer Ratsverfassungen, sowie ihrer geographischen Nähe lassen sich die Quellen sowohl kontrastiv als auch komplementär nutzen. Die Arbeit soll neben einer Erprobung aktueller geschichts- und kulturwissenschaftlicher Analysemethoden an der Stadtbuchforschung auch eine landesgeschichtlich anschlussfähige Aufarbeitung bisher kaum genutzter Quellenbestände leisten.

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