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Geschichtswissenschaftliche Fachportale

Katrin Moeller, 30. Oktober 2008

Einstiege ins Netz: Knotenpunkte Geschichtswissenschaften

Einleitung

Insgesamt muss man die Situation von Subject Gateways für das Fach Geschichte nach wie vor kritisch einschätzen, man könnte auch von einem rückläufigen Trend sprechen. Zu rechnen ist bei vielen Knotenpunkten mit einer sehr heterogenen Struktur, zum Teil veralteten oder wenig verlässlich systematisch erfasste Websites bzw. kaum kommentierten und rezensierten Links. Auf der anderen Seite wird man gelegentlich mit Informationen überschüttet, ohne das ein vernünftiges Auswahlkriterium an die Hand gegeben oder die Suche deshalb wirklich erfolgreicher gestaltet wird. Auch die Usability mancher Seite lässt stark zu wünschen übrig. Die Transparenz dessen, wie eine Linksammlung zustande kommt, welche Kritierien für die Aufnahme von Links benutzt werden und welche Rolle dabei ein Peer-Review-Verfahren spielt, bleiben oft genug nebulös.

Das Hauptproblem besteht allerdings darin, dass das Informationsangebot zu historischen Themen von sehr unterschiedlicher Qualität und Quantität bleibt. Parallel mit dem öffentlichen Interesse wächst zwar die Zahl einschlägiger Websites, nicht aber unbedingt die Qualität. Unübertroffen skizziert hat Jan Hodel dieses Problem:

„Das Internet für wissenschaftliche Zwecke zu nutzen ist vergleichbar mit dem Versuch, in der Strassenbahn eine Diskussion über ein philosophisches Traktat Heideggers zu führen. Wenn man Glück hat, ist ein Professor der Philosophie dabei, oder ein Assistent, der über Heidegger promoviert. Vielleicht meldet sich auch ein Hobby-Philosoph zu Wort, der nach seiner Arbeit als Bankangestellter alle seine Freizeit Heidegger widmet. Unter Umständen berichten einige Schüler von ihrer letzten Philosophiestunde.“1


Diese Entwicklung ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass eine kompetente Suche mithilfe einschlägiger Suchmaschinen (siehe: wissenschaftliche Publikationen) oft weiter führt und effektiver zum Ziel führt, da dort mit wichtigen Standards des elektronischen Publizierens gearbeitet wird.

Die Rolle von Subject Gateways liegt daher eindeutig in der Wahrnehmung einer Evaluierungsfunktion. Diese Funktion erfüllen die meisten einschlägigen Projekte bisher allerdings nur befriedigend bis mangelhaft. Das beste Angebot in diesem Sinne präsentiert das Fachinformationssystem Intute. Auch die Rubrik Link-Wink bis 2007 von Georg Horstkemper für das Historicum.net betrieben, erfüllte diesen Zweck in angenehmer wie vorbildlicher Weise. http://extern.historicum.net/liwi/index.php   

1
Jan Hodel: Heidegger in der Strassenbahn oder Suchen in den Zeiten des Internets, in: Peter Haber, Christophe Koller, Gerold Ritter (Hg.): Geschichte und Internet, Raumlose Orte - Geschichtslose Zeit, (Geschichte und Informatik 12), Bern 2001, S. 35-48, hier S. 36).

Erlangener Historikerseite / VL Library Geschichte

Bis zum Jahr 2006 war die Erlangener Historikerseite, als Untersektion der "Virtual Library   " auch als "Virtual Library Geschichte - Deutschland" bekannt, trotz aller optischen und technischen Mängel sicherlich der wichtigste und inhaltlich strukturierteste Einstieg in die geschichtswissenschaftliche Welt des Internets. Der große Vorzug, den alle modernen, datenbankgestützten Fachwebsites bisher nicht bieten können, liegt nach wie vor in der klaren Begrenzung, inhaltlich unabhängigen Bewertung und fachlichen Kommentierung des Angebots. Folgt man heute dem Link, stößt man allerdings auf eine nichtssagende Fehlermeldung des Rechenzentrums der Universität Erlangen-Nürnberg, der keinen Verweis auf Nachfolgerprojekte oder andere Hilfsmittel bietet. Das einstmals von Stuart Jenks initiierte und von vielen Fachreferenten so engagiert betriebene Fachinformationsportal führt somit schmerzhaft vor Augen, welche großen Nachteile sich mit dem Medium Internet verbinden: Die Unbeständigkeit, der rasante technische Wandel und die nach wie vor wenig realisierte Nachhaltigkeit von Projekten.

Dennoch ist die VL Geschichte nicht aus dem Netz verschwunden, wie in der Historikerzunft manchmal vermutet wird. Wesentliche Teile und Fachangebote werden weiterhin, nun allerdings auf viele Einzelportale verteilt angeboten. Der Blick zurück in die Vergangenheit ist überdies durch die Vorhaltung des Angebots im Webarchiv möglich:
http://web.archive.org/web/20070609102437/www.erlangerhistorikerseite.de/vl-dtld.html   

Wichtiger "Erbe" der Erlangener Historikerseite ist die Fernuniversität Hagen, die ihren breiten Schwerpunkt im Kontext von E-Learning um die Sektionen "Frühe Neuzeit" (Stephanie Marra), "Zeitgeschichte" (Stephanie Marra und Ralf Blank) und "Museum" (Ralf Blank") erweitert hat. Mit der Umstellung auf das neue System erfolgte zudem ein umfassendes Relaunch, was heute eine datenbankgestützte Suche ermöglicht.
http://www.historisches-centrum.de/index.php?id=154   

In völlig neuem Gewand erscheint ebenso das Angebot zur Ur- und Frühgeschichte bzw. Archäologie als "Archäologie Online" (Andreas Brunn).
http://www.archaeologie-online.de/virtuelle_bibliothek/   

Das Angebot zur "Alten Geschichte" (Ulrich Schmitzer) hat beim Projekt "Kirke" (Subject Gateway für die Klassische Philologie) der Humbold-Universität Berlin im alten Layout Aufnahme gefunden:
http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html   

Für das Mittelalter und das 19. Jahrhundert, beides Angebote die von Stuart Jenks selbst betrieben wurden, lassen sich bisher keine Nachfolgeprojekte finden.

Mit wenig Mühe lassen sich dagegen die thematischen Sektionen angefangenen von der Regionalgeschichte bis hin zur Historischen Informatik meistens wieder aufspüren.

Landes- und Regionalgeschichte (Daniela Jaksch) - dort auch die aktuellen Links zu den entsprechenden Länderportalen
http://www.kbl.badw.de/vl/   

Historische Hilfswissenschaften (Patrick Sahle; Georg Vogler)
http://www.vl-ghw.uni-muenchen.de/   

Digitale Editionstechniken (Patrick Sahle)
http://www.uni-koeln.de/~ahz26/vl/editech.htm   

Historical Computing (Thomas Rahlf)
http://www.typodelta.de/hcq/hcq.html   

Das 1997 von Stuart Jenks begonnene Zeitschriftenfreihandmagazin ist mittlerweile um viele englischsprachige Zeitschriften und Bände ergänzt worden und wird vom "Center for Medieval Studies" der Fordham University (New York) angeboten.
http://www.fordham.edu/mvst/magazinestacks/zfhm.html   

H-Soz-U-Kult: Fachinformation und -kommunikation

H-Soz-U-Kult, seit 1996 bestehend, ist „Marktführer“ der professionell betriebenen Fachinformation und -kommunikation. Mittlerweile gibt es kaum noch HistorikerInnen die nicht Abonnements von ein oder mehreren Informationsangeboten innerhalb des Kooperationsverbundes „Clio-Online“ haben oder wenigstens in regelmäßigen Abständen auf die Webpräsenz schauen. Via email können Sie sich vorrangig zu den Informationsschwerpunkten: Rezensionen, Tagungsankündigungen und -berichten, Forschungsprojekte, aktuelle Zeitschriften, Stellenangebote und wichtigen Terminen informieren lassen. Eine permanente Redaktion wie auch ein weiterer wissenschaftlicher Kreis von Fachredakteuren, Rezensenten und Beiträgern sorgt für eine umfangreiche, durchaus interdisziplinäre tägliche Information.

Um den Lieferservice zu nutzen, müssen Sie sich als Nutzer registrieren und können zugleich Einstellungen zur Information tätigen. Allerdings sind die Möglichkeiten, den Informationsfluss zu steuern, noch relativ grob, kaum möglich etwa eine Verfeinerung des Informationsangebots nach fach- oder epochenspezifischen Kriterien. Insgesamt überwiegen zeithistorische und neuzeitliche Themen.

H-Soz-U-Kult ist der deutschsprachige Anbieter für Geschichtswissenschaften innerhalb des H-Net: Humanities and Social Science online   . Auf ähnlichen Strukturen und Prinzipien beruhend kann man dort über 100 Mailinglisten im Bereich der Sozial- und Kulturwissenschaften finden, darunter auch deutschsprachige Foren zur Kunstgeschichte, zum Museumsbereich und der Germanistik.

Clio-Online

Clio-Online verfolgt ein ganz ähnliches Ziel wie die VL History und stellt zentrale Informationen zum Fach und zahllose Informationen zu Institutionen, Personen, Forschungsprojekten, Webangeboten, Ressourcen und Chancen zusammen. Eng verbandelt ist Clio-Online strukturell wie institutionell mit H-Soz-U-Kult, was sich auch in der Schwerpunktsetzung und Strukturierung zeigt.
Der große Vorteil dieses Angebots besteht einerseits in der sich stetig mehrenden Fülle von Einträgen, die in Form standardisierter Metadaten einen effizienten Überblick über Projektbetreiber, Inhalt und andere zentrale Informationen erlauben, andererseits in einer sehr intuitiven und sehr professionell strukturierten Recherchemöglichkeit.


Nachteilig wirkt sich – vor allem im Vergleich mit der VL Geschichte aus – dass auf Formen der inhaltlichen redaktionellen Bewertung oder Selektion weitgehend verzichtet wird. Inhaltsangaben zu den Websites fungieren daher eher als „Werbung“ denn als Rezension. Gerade Studierende oder fachfremde Nutzer dürften sich mit der gezielten Auswahl wichtiger Websites etc. schwer tun. Diesem Umstand selbst Rechnung tragend bietet Clio-Online daher verschiedene Guides an, die übergreifend, thematisch bzw. regional gegliedert, eine knappe wissenschaftliche Einführung geben und wichtige Organisationen, Institutionen, Fachportale und ausgewählte Websites präsentieren. Dieses wegweisende Instrument ist bisher leider nur für wenige Themen bzw. Regionen vorhanden.

Anders als die VL Geschichte baut das gut zu navigierende und im Look sehr ansprechende Portal auf einer zentralen Datenbank auf, die über eine lokale Suchmaschine bedient werden kann, gleichzeitig wird aber auch den Zugriff über „vorgefertigte“ Themenblöcke ermöglicht.

Historicum.net - Recherche

Eine kleine aber qualitätsvolle Auswahl von wichtigen Links zur Fachwissenschaft und zu E-Ressourcen bietet das Rechercheportal des Historicum.net an. Die Kommentare ersetzen zwar keine Rezension, wenigstens jedoch eine präzise und klare Beschreibung der jeweiligen Angebote an. Für den schnellen Überblick ist das Portal daher wirklich zu empfehlen. Ergänzungen finden sich überdies im Angebot Lehren und Lernen, wo verschiedenen Webangebote für HistorikerInnen im Rahmen von "Computer für Historiker" und didaktischen Webportaleb besprochen werden.

InformationsWeiser Geschichte - History Guide

Das deutsch- wie auch englischsprachige Portal hat zum Ziel Internetquellen mithilfe von internationalen Standards und Metadaten zu erschließen sowie recherchierbar zu machen. Der History Guide wurde zwischen 1995-1997 an der Universitätsbibliothek Göttingen entwickelt und in Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek weitergeführt.

Die Datenbank ist sowohl über verschiedene Suchfunktionen wie über verschiedene Themen- und Epochengebiete erschließbar. Ähnlich wie bei Clio-Online sind die Links zwar kommentiert, erfahren jedoch keinerlei Rezension.

Schwer ermittelbar ist der Aktualitätsstand der Datenbank, auch wenn es keine toten Links gibt, wirken manche Angebote leicht veraltet oder auch kaum erschöpfend behandelt.

Intute - Arts & Humanities

Intute ist eine Kooperation der Universitäten Oxford, Manchester und London sowie zahlreicher weiterer kunst- und geisteswissenschaftlicher Partner. Das Portal bietet ein sehr heterogenes Spektrum aus Fachinformation zu Personen, Instituten und Forschungsprojekten sowie vielfältige Dienste rund um die Vorstellung von fachspezifischen Websites. Das englischsprachige Portal versteht sich als internationales Fachportal für die Kunst- und Geisteswissenschaften.

Neue Webressourcen können über eine Datenmaske vorgeschlagen werden, unterliegen dann jedoch einer fachinternen Rezension im Peer-Review-Verfahren. Daher fallen die Kommentare zu den Links vergleichsweise genau und im Stil von Rezensionen aus, was sich positiv von vielen anderen Fachportalen abhebt. Überdies werden zusätzliche Informationen zu Betreibern, Zielsetzungen etc. in Form von Metadaten angeboten. Websites können über eine Suchmaske und vorgefertigte Themenblöcke recherchiert werden.

Nachrichtendienst für Historiker

Einen Nachrichtendienst der etwas anderen Art bietet seit 1995 Thomas Berg mittlerweile gemeinsam mit Michel Schröder und Wigbert Benz an. Zusammengestellt findet sich dort vorangig eine Presseschau historischer Themen aus wichtigen deutschen und italienischen Tageszeitungen und Magazine. Ebenso werden Fernsehsendungen zur Geschichte chronologisch geordnet und versehen mit einer ausführlichen Beschreibung (keine Rezensionen) gelistet.

Ein Newsletter sowie einige - allerdings wenig kommentierte - Links zu verschiedenen Internetseiten runden das Angebot ab. Die Diskussionsforen wurden im Oktober 2008 eingestellt, ältere Beiträge können aber weiterhin eingesehen werden. Diese Entwicklung ist letztlich für viele Websites tendenziös. Starteten viele Projekte mit einem umfangreichen aktuellen Informations- und Kommunikationsservice, werden nach einer anfänglichen Förderungsphase viele Angebote (gezwungenermaßen) zurückgefahren.

Literatur

  • Angelika Eppele (Hg.), Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis, Zürich 2005.
  • Peter Haber (Hg.), Geschichte und Internet: „Raumlose Orte – Geschichtslose Zeiten“, Zürich 2002.
  • Stuart Jenks / Stephanie Marra (Hg.), Internet-Handbuch Geschichte, Köln u.a. 2001.
  • Stuart Jenks / Paul Tiedemann, Internet für Historiker. Eine praxisorientierte Einführung, Darmstadt 2000.
  • Dennis Trinkle, The history highway 2000. A guide to internet resources, Armonk u.a. 2000.
  • Christian von Ditfurth, Internet für Historiker, Frankfurt/Main u.a. 1999.

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