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Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2009/10

Das letzte Jahr des "Dritten Reiches". Die deutsche Gesellschaft in der Endphase des Zweiten Weltkrieges
Typ: HS (MA-MI)
Zeit: Freitag 9:00 - 12:00
Ort: SR 225
Im Mai 1944 - zwölf Monate vor Kriegsende - hielt ein großer Teil der deutschen Gesellschaft das Kriegsende noch für offen und glaubte, dass die für die nächsten Wochen erwartete Landung der Westalliierten in Frankreich den Krieg entscheiden werde. Auch wenn diese Perspektive falsch war - die militärische Niederlage Deutschlands war längst unumkehrbar - so bestimmte sie doch das Verhältnis einer Mehrheit der Deutschen zum NS-Regime: Einerseits garantierte sie dem Regime vorerst die Loyalität der Bevölkerung. Andererseits begann mit der Niederlage in der Normandie und mit der Zerschlagung des deutschen Ostheeres durch die Rote Armee im Juni 1944 ein Prozess der schrittweisen Distanzierung großer Teile der deutschen Bevölkerung vom Nationalsozialismus. Dessen engere Gefolgschaft reagierte hierauf ihrerseits mit einer Radikalisierung der Gewalt, die im Frühjahr 1945 im Wüten der Standgerichte und Todesschwadrone nicht "nur" gegen "Fremde", sondern auch gegen das "eigene" Volk mündete. Zugleich motivierte das nahende Ende die Vernichtungskrieger des SS- und Polizeiapparates dazu, in der militärischen Niederlage zumindest einen möglichst vollständigen "Sieg" über die europäischen Juden zu erringen, indem man die Anstrengungen zu ihrer Ermordung noch einmal steigerte.
Im Seminar versuchen wir, das sich verändernde Verhältnis von Bevölkerung und Regime sowie die Reaktionen der Kerngruppen des Nationalsozialismus auf das nahende Kriegsende zu rekonstruieren und zu erklären. Zum einen suchen wir eine Antwort darauf, warum das NS-Regime den Krieg bis ins Frühjahr 1945 verlängern konnte, zum anderen fragen wir, warum nach dem Ende des Krieges Millionen Deutsche subjektiv ehrlich glauben mochten, sie habe mit dem untergegangenen Regime nichts verbunden.
Zur Vorbereitung empfehle ich:
Andreas Kunz: Wehrmacht und Niederlage. Die bewaffnete Macht in der Endphase der nationalsozialistischen Herrschaft 1944 bis 1945, München 2005;
Cord Arendes/Edgar Wolfrum/Jörg Zedler (Hg.): Terror nach innen. Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkrieges, Göttingen 2006 (= Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte 6);
Götz Aly/Christian Gerlach: Das letzte Kapitel. Ideologie, Realpolitik und der Mord an den ungarischen Juden 1944-1945, Stuttgart 2002.
Kolloquium Neuere Forschungen zur Zeitgeschichte
Typ: K (MA-TB)
Zeit: Dienstag 18:00 - 20:00
Ort: SR 212
In dieser Veranstaltung präsentieren Forschende ganz unterschiedlicher "Grade" - von der bekannten Professorin von auswärts über den Doktoranden bis zur Examenskandidatin an unserem Institut - die sie aktuell beschäftigenden Themen. Sie geben Einblick in Forschungsdiskussionen und stellen die konzeptionellen und methodischen Ansätze ihrer Arbeiten zur Diskussion. Zudem diskutieren wir gemeinsam theoretische Texte. Das Kolloquium wendet sich an alle (!) Studierenden, die Interesse daran haben, den zeithistorischen "Betrieb" jenseits von Seminar und Vorlesung kennen zu lernen und die sich hier Anregungen für eigene künftige Projekte erhoffen.
Eine "kämpfende Verwaltung": Die Polizei im Nationalsozialismus
Typ: PS (BA-EM)
Zeit: Donnerstag 12:00 - 14:00
Ort: SR 225
Der mit der SS verwobene Polizeiapparat bildete den gewaltförmigen Kern des nationalsozialistischen Herrschaftssystems nach innen wie gegenüber der Zivilbevölkerung im besetzten Europa. Die Gestapo eliminierte politischen Widerstand und organisierte den Mord an den europäischen Juden; die Kriminalpolizei verfolgte soziale und als genetisch "kriminell" definierte ethnische Minderheiten; Bataillone der uniformierten Polizei ermordeten in Osteuropa Millionen Menschen.
Im Kurs beschäftigen wir uns mit der Struktur, dem Personal und dem Selbstverständnis der NS-Polizei als einer "kämpfenden Verwaltung". Wir analysieren Quellen, üben an konkreten Beispielen das zielgerichtete Recherchieren, setzen uns mit unterschiedlichen Deutungen der Historiker auseinander und fragen schließlich, wie ein/e Historiker/in in einem zunehmend unübersichtlich werdenden Forschungsfeld Orientierung und eigenen Standpunkt gewinnt.
Zur Vorbereitung empfehle ich: Carsten Dams/Michael Stolle: Die Gestapo. Herrschaft und Terror im Dritten Reich, München 2008.
Geschichtswissenschaft und Globalisierung
Typ: Ü (MA-MI)
Zeit: Dienstag 10:00 - 12:00
Ort: SR 225
Das Wort "Globalisierung" ist in aller Munde - als Beschreibung unserer gesellschaftlichen Gegenwart und nicht zuletzt als politischer Kampfbegriff. Wir werden in dieser Übung den Versuch unternehmen, dem Begriff und der Interpretation der von ihm umschriebenen Phänomene mehr historische Tiefenschärfe zu geben. Erstens wird uns die Frage beschäftigen, inwiefern die Geschichtswissenschaften Beiträge zu einem besseren Verständnis der Gegenwart zu leisten vermögen - inwiefern sie also Orientierungsfunktion besitzen können. Zweitens prüfen wir unterschiedliche Angebote von Historikerinnen und Historikern - aber auch aus anderen Disziplinen - für die Untersuchung jener komplexen und interdependenten Verflechtungsphänomene der letzten 200 Jahre, die in unsere globalisierte Gegenwart geführt haben. Und drittens schließlich diskutieren wir darüber, wie Historikerinnen und Historiker methodisch reflektiert globale Phänomene untersuchen können. In jeder Sitzung diskutieren wir einen oder zwei wissenschaftliche Texte, deren gründliche Vorbereitung ist verpflichtend. Jede/r Teilnehmer/in muss zudem im Laufe des Semesters ein Thesenpapier zu einem der Basistexte erarbeiten. Diese Thesenpapiere dienen jeweils dem Einstieg in die Textdiskussion.
Zur Vorbereitung empfehle ich: Jürgen Osterhammel/Niels P. Peterson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen, 2. Aufl., München 2004.

Sommersemester 2009

Die Genese der „Dritten Welt“. Geschichte der Entkolonialisierung 1919-1980
Typ alt: Vorlesung (ZG)
Typ neu: Vorlesung Einführungsmodul Moderne
Zeit: Fr. 10.00-12.00 Uhr
Ort: IfG, HS I
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Frieden von Versailles begann 1919 ein sich über mehrere Jahre erstreckender Prozess, der das internationale System revolutionierte: die Auflösung europäischer Kolonialreiche. Nachdem schließlich auch Portugal 1975 seine Kolonien aufgegeben hatte und das weiße Siedlerregime in Rhodesien/Zimbabwe 1980 untergegangen war, kam dieser Prozess im Wesentlichen zum Abschluss. Über 100 neue Staaten waren entstanden – die „Dritte Welt“.
Die Vorlesung fragt nach den Faktoren und den Akteuren, die diesen globalen Transformationsprozess prägten. Warum gaben die Kolonialmächte ihre Imperien auf? Welche politischen Ordnungen und Akteure traten an die Stelle der Kolonialherrschaft? Wie prägte die koloniale Vergangenheit die ökonomischen, sozialen und kulturellen Strukturen der nun politisch unabhängigen Gesellschaften? Folgte der politi-schen auch die ökonomische Unabhängigkeit bzw. inwieweit blieben Teile der „Dritten Welt“ in „neokolonialen“ Abhängigkeiten gefangen? Warum wurden viele der neu entstandenen Staaten zu Schauplätzen blutiger ethnischer Konflikte und von „Stellvertreterkriegen“ der Weltmächte? Inwiefern gelang es der „Dritten Welt“ (nicht), sich auf der Ebene der internationalen Politik als eigenständiger Faktor neben westlichem und östlichem Lager zu etablieren? Wie veränderte schließlich die Entkolonialisie-rung die Gesellschaften der früheren Kolonialmächte? Diesen Fragen geht die Vorlesung im Überblick nach, wobei vor allem Afrika und Süd- sowie Südostasien im Zentrum der Betrachtung stehen.
Einführende Literatur: Dieter Rothermund: Delhi, 15. August 1947. Das Ende kolonialer Herrschaft, 2. Aufl., München 1999.
Von „Mehr Demokratie wagen“ zum „Deutschen Herbst“. Die bundesdeutsche Gesellschaft der 70er Jahre
Typ alt: Proseminar (ZG)
Typ neu: Kurs Einführunsmodul Moderne
Zeit: Mo. 12.00-14.00 Uhr
Ort: IfG, SR 225
Der Regierungsantritt der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt 1969 wird in der historischen Forschung mitunter als „Umgründung“ der Bundesrepublik bewertet: Erst jetzt und durch die Reformpolitik der neuen Bundesregierung habe sich die Bundesrepublik in eine „echte“ Demokratie „mündiger Bürger“ nach westlichem Muster entwickelt, sei die Gesellschaft durchgreifend liberalisiert und – mit der „neuen Ostpolitik“ – das Verhältnis zu den osteuropäischen Staaten „normalisiert“ worden. Zugleich erscheinen die 70er Jahre als Blütezeit einer neuen politischen Kultur von (links) unten: Der Zerfall der Studentenbewegung mündete in ein buntes Potpourri maoistischer, spontaneistischer und religiöser Sekten; die neue Frauenbewegung, Kinderläden und Bürgerinitiativen veränderten Themen wie Formen der Politik nachhaltig. Doch schon nach wenigen Jahren zeichnete sich vor dem Hintergrund einer globalen Wirtschaftskrise, des Terrorismus und einer erneuten Verschärfung des Kalten Krieges eine konservative „Tendenzwende“ ab – auf den Reformfrühling schien ein „Deutscher Herbst“ zu folgen. Das Seminar versucht, den Wandel der bundesdeutschen Gesellschaft in dieser Zeit, seine Akteure, Ursachen und Folgen zu rekonstruieren und zu erklären. Hierzu arbeiten wir teilweise mit Quellen, teilweise vergleichen wir die Interpretationen verschiedener Forscher miteinander. Einen kursorischen Blick werfen wir schließlich auf die Entwicklung der DDR: Hier begann mit dem Amtsantritt Erich Honeckers 1971 ebenfalls eine Phase der Reformen, die zwar nicht mit dem Begriff der „Demokratisierung“ beschrieben werden kann, dennoch viele Hoffnungen weckte – Hoffnungen, die spätestens mit der Biermann-Ausbürgerung 1976 zerstoben.
Einführende Literatur: Hans Günter Hockerts: Rahmenbedingungen: Das Profil der Reformära, in: ders. (Hg.): Geschichte der Sozialpolitik seit 1945, Bd. 5: 1966-1974, Baden-Baden 2006, S. 1-155; Andreas Rödder: Die Bundesrepublik Deutschland 1969-1990, München 2004.
Fußball und Politik in Deutschland 1954-1990
(zusammen mit Andreas Mau)
Typ alt: Hauptseminar (ZG)
Typ neu: Schreibwerkstatt Modul Schreibwerkstatt und Argumentationstechnicken
Zeit: Di. 9.00-12.00 Uhr
Ort: IfG, SR 225
Der Fußballsport nimmt einen wichtigen Platz in der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte Deutschlands ein. So dienten in der „alten“ Bundesrepublik die Erfolge der Nationalmannschaft in nicht unerheblichem Maße der Identitätsstiftung und nationalen Selbstverortung. Die Geschichtswissenschaft hat in den vergangenen Jahren die Bedeutung des Fußballs zwar erkannt, jedoch steht die Forschung, insbesondere für die Zeit nach 1954, noch immer am Anfang. Wir möchten uns im Rahmen dieses Seminars mit Ihnen gemeinsam in diesen Bereich vorwagen und die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs zwischen 1954 und 1990 beleuchten. Detailliertes Fußballfachwissen ist für die Teilnahme am Seminar nicht erforderlich, dafür aber der kritische, sehr gerne auch fußballfremde Blick engagierter Studentinnen und Studenten. Das Seminar ist dreistündig angelegt und erfordert pro Woche etwa einen vollen Arbeitstag Vor- und Nachbereitung. Die Teilnehmer müssen damit rechnen, pro Woche etwa 60 Seiten zu lesen und anhand dieser Lektüre von Woche zu Woche eigene Texte von jeweils etwa zwei Seiten Umfang zu verfassen.
Einführende Literatur: Christiane Eisenberg: Sportgeschichte. Eine Dimension der modernen Kulturgeschichte, in: Geschichte und Gesellschaft 23 (1997), S. 295-310; Gunter Gebauer: Die Bundesliga, in: Etienne François/Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte II, München 2001, S. 450-468; Alfred Wahl: Fußball und Nation in Frankreich und Deutschland, in: Etienne François/Hannes Siegrist/Jakob Vogel (Hgg.): Nation und Emotion. Deutschland und Frankreich im Vergleich. 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 1995, S.342-352.
Neuere Forschungen zur Zeitgeschichte
Typ: Ko.
Zeit: Di. 18.00-20.00 Uhr
Ort: IfG, SR 225
NF: ZG
In dieser Veranstaltung präsentieren Forschende ganz unterschiedlicher „Grade“ – vom bekannten Professor von auswärts über die Doktorandin bis zum Examenskandidaten an unserem Institut – die sie aktuell beschäftigenden Themen. Sie geben Einblick in Forschungsdiskussionen und stellen die konzeptionellen und methodischen Ansätze ihrer Arbeiten zur Diskussion. Das Kolloquium wendet sich an alle (!) Studierenden, die Interesse daran haben, den zeithistorischen „Betrieb“ jenseits von Seminar und Vorlesung kennen zu lernen und die sich hier Anregungen für eigene künftige Projekte erhoffen.

Wintersemester 2008/09

Internationale Bevölkerungspolitik nach 1945
Typ: Hauptseminar, HS (MA-TA)
Zeit: Dienstag 9:00 - 12:00
Ort: SR 225
Seit über 100 jahren prophezeien Bevölkerungswissenschaftler die demographische Apokalypse als jeweils nahe Zukunft: Während die Deutschen nach diesen Prognosen längst ausgestorben sein sollten, gelten andere Gesellschaften schon seit langem als "überbevölkert". Die Politik hat sich mit Hilfe solcher wissenschaftlicher Szenarien neue Handlungsfelder erschlossen: Galt es zunächst durch nationale Politikstrategien die Quantität (und oft auch die "Qualität")der jeweils eigenen Bevölkerung zu steigern, entstand seit etwa 1945 eine "Weltbevölkerungspolitik", die nicht nur den Versuch unternahm, eine vermeintliche "Weltbevölkerungsexplosion" zu unterbinden, sondern zugleich jeder Gesellschaft ihren jeweiligen Anteil an der Weltbevölkerung zuzuteilen. Der Erfolg dieser Politik blieb bis heute bescheiden, das von ihr verursachte menschliche Leid dagegen war beträchtlich. Das Seminar untersucht vor diesem Hintergrund zum einen die Entwicklung der bevölkerungswissenschaftlichen und -politischen Diskussion seit 1900 und zum anderen die seit 1945 in verschiedenen Staaten realisierten Bevölkerungspolitiken. Nachdem wir in den ersten Sitzungen geschichts- und sozialwissenschaftliche Theorien zum Thema sowie Basistexte zum Vergleich als Methode der Geschichtswissenschaften erörtert haben, formulieren wir gemeinsam ein Set von Leitfragen für eine vergleichende Untersuchungsarbeit. In der zweiten Phase des Seminars untersuchen wir in jeder Sitzung jeweils eine der Leitfragen für mehrere Länder (z. B. Deutschland, Indien, Tansania etc.). In dieser Phase nimmt jede/r Teilnehmer/in an einer Arbeitsgruppe zu einem dieser Länder teil. Am Ende des Semesters werden wir eine Bilanz unserer Vergleichsarbeit ziehen und erörtern, inwiefern sich für die Jahrzehnte seit 1945 generalisierende Aussagen über eine "Weltbevölkerungspolitik" treffen lassen bzw. inwiefern spezifisch nationale Wege von Bevölkerungspolitik erkennbar geworden sind. Die Untersuchungsarbeit ist ergebnisoffen angelegt und dient vor allem der praktischen Einübung in vergleichende Forschung. Leistungsanforderungen: regelmäßige aktive Teilnahme, Mitarbeit in einer der Arbeitsgruppen, Hausarbeit. Bitte beachten Sie, dass die große Mehrheit der zu lesenden Texte in englischer Sprache sein wird.
Einführende Literatur: Marc Frey: Experten, Stiftungen und Politik: Zur Genese des globalen Diskurses über Bevölkerung seit 1945, in: http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208754/Default.aspx   
Kolloquium zur Zeitgeschichte
Typ: Kolloquium, K (MA-TA)
Zeit: Dienstag 18:00 - 20:00
Ort: SR 212
In dieser Veranstaltung präsentieren Forschende ganz unterschiedlicher "Grade" - vom bekannten Professor von auswärts über die Doktorandin bis zum Examenskandidaten an unserem Institut - die sie aktuell beschäftigenden Themen. Sie geben Einblick in Forschungsdiskussionen und stellen die konzeptionellen und methodischen Ansätze ihrer Arbeiten zur Diskussion. Das Kolloquium wendet sich an alle (!) Studierenden, die Interesse daran haben, den zeithistorischen "Betrieb" jenseits von Seminar und Vorlesung kennen zu lernen und die sich hier Anregungen für eigene künftige Projekte erhoffen.
Der Untergang der DDR. Oder: Warum bricht eine Gesellschaftsordnung zusammen?
Typ: Proseminar, PS (BA-S-VM)
Zeit: Donnerstag 10:00 - 12:00
Ort: SR 222
Dass die DDR als Gesellschaft in sich zusammenbrechen und als Staat untergehen musste, war allen Beobachtern klar - allerdings erst nach 1989. Bis dahin hatte das SED-Regime den meisten Experten als leidlich stabil und die DDR-Wirtschaft als Akteurin auf "Weltniveau" gegolten. Wer 1988 die baldige Vereinigung der beiden deutschen Staaten vorhergesagt hätte, wäre in Ost wie West nicht gerade als Realpolitiker beurteilt worden. Vor diesem Hintergrund geht das Proseminar zwei Fragen nach: Welche Faktoren führten zum Untergang der DDR? Und: Warum erschien sie den meisten Zeitgenossen noch am Vorabend ihres Zusammenbruchs als stabil? Damit führt das Proseminar zugleich exemplarisch in eine Grundfrage der Geschichtswissenschaften ein: Was hält Gesellschaften zusammen und Herrschaftsverhältnisse intakt bzw. sprengt ihren Zusammenhalt und beraubt Herrschaft ihrer Akzeptanz? In besonderer Weise werden wir uns dabei mit der Entwicklung in der Stadt Halle beschäftigen. Die Teilnehmer arbeiten in begrenztem Umfang an einem Buchprojekt zur Geschichte der "friedlichen Revolution" in unserer Stadt mit. Leistungsanforderungen: regelmäßige aktive Teilnahme, Impulsreferat, Recherchen zu einem Aspekt der "Wende" in Halle und Verfassen eines kurzen Textes hierzu (1 Seite DIN A 4), Hausarbeit.
Einführende Literatur: Charles S. Maier: Das Verschwinden der DDR und der Untergang des Kommunismus, Frankfurt/M. 2000; Konrad H. Jarausch/Martin Sabrow (Hg.): Weg in den Untergang. Der innere Zerfall der DDR, Göttingen 1999.
Geschichte des Nationalsozialismus
Typ: Vorlesung, V (BA-EM)
Zeit: Freitag 10:00-12:00
Ort: Hörsaal I (ehem. Physik-Hörsaal)
Die Fülle und die perspektivische Vielfalt der wissenschaftlichen Literatur zur Geschichte des Nationalsozialismus sind kaum noch überschaubar. Vor diesem Hintergrund wird die Vorlesung einerseits einen Überblick über die zentralen Themen dieser Geschichte geben, andererseits aber auch verschiedene Wege, Perspektiven und Interpretationen der Forschung vorstellen. Das Ziel besteht letztlich darin, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Orientierung in der Forschungslandschaft zum Nationalsozialismus und die Entwicklung eigenständiger Forschungsinteressen und -standpunkte zu ermöglichen. Schwerpunkte werden auf der Entstehung und Frühgeschichte der nationalsozialistischen Bewegung, dem Weg an die Macht, Ideologie und Realität der "Volksgemeinschaft", dem Mord an den europäischen Juden, dem sozialen, habituellen und weltanschaulichen Profil der NS-Eliten, der Struktur des Herrschaftssystems und seinem Untergang liegen.
Einführende Literatur: Norbert Frei: Der Führerstaat. Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945, 8. Aufl., München 2007; Ludolf Herbst: Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945. Die Entfesselung der Gewalt: Rassismus und Krieg, Frankfurt/M. 1996.

Sommersemester 2008

Autobiographien - Tagebücher - Zeitzeugeninterviews. Selbstzeugnisse als Quelle zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Typ: Hauptseminar
Zeit: Montag 10:00 - 12:00
Ort: SR 212
Schauen wir in die Regale von Buchhandlungen, so begegnet uns Geschichte vor allem in Gestalt von Autobiographien mehr oder minder berühmter Menschen. Schalten wir das Fernsehen ein, so sehen wir Geschichte häufig in der Form von Zeitzeugenberichten. Selbstzeugnisse gelten als besonders "authentische" Quellen und unmittelbare Zugänge zur von Menschen erlebten, gestalteten und erlittenen Geschichte. Doch wie können Historikerinnen und Historiker diese Quellenarten für ihre Fragestellungen fruchtbar machen? Welche Fragen können sie überhaupt mit Hilfe von Selbstzeugnissen beantworten? Welche methodischen Regeln müssen sie beachten, um nicht naiv, sondern nach wissenschaftlichen Standards mit Autobiographien, Tagebüchern oder Zeitzeugeninterviews zu arbeiten? Was müssen sie über die neurologischen/psychologischen Grundlagen der menschlichen Erinnerung wissen - und welche Konsequenzen hat dieses Wissen für die Interpretation von Selbstzeugnissen? Solchen und ähnlichen Fragen werden wir in diesem Seminar mit Hilfe neuerer Forschungsarbeiten nachgehen und uns zugleich in der wissenschaftlichen Arbeit mit Selbstzeugnissen praktisch üben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden das Seminar in der Regel mit einer schriftlichen Hausarbeit in Gestalt einer Quelleninterpretation abschließen.
Zur Vorbereitung empfehle ich: Dagmar Günther: "And now for something completely different". Prolegomena zur Autobiographie als Quelle der Geschichtswissenschaft, in: HZ 272 (2001), S. 25-61; Volker Depkat: Autobiographie und die soziale Konstruktion von Wirklichkeit, in: GG 29 (2003), S. 441-476; Harald Welzer: Das Interview als Artefakt. Zur Kritik der Zeitzeugenforschung, in: BIOS 13 (2000), S. 51-63.
Terrorismus und staatliche Reaktion in der Bundesrepublik Deutschland 1970-1998
Typ: Hauptseminar, HS (MA-MI)
Zeit: Dienstag 9:00 - 12:00 Uhr
Ort: SR 225
"Sechs gegen sechzig Millionen" - so beschrieb der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll Anfang der 1970er Jahre die Konfrontation zwischen der Rote Armee Fraktion (RAF) und der bundesdeutschen Gesellschaft. Hätte Böll recht gehabt, das Thema RAF hätte sich wohl mit der Inhaftierung ihrer "ersten Generation" spätestens 1972 erledigt. Statt dessen wurde es zu einer der größten Herausforderungen der bundesdeutschen Demokratie. Das Seminar thematisiert die Geschichte der RAF, das Verhältnis der bundesdeutschen Linken zum Terrorismus und die Reaktion des Staates. Den Angelpunkt unserer gemeinsamen Seminararbeit bildet der "Deutsche Herbst" von 1977: Wir suchen Antworten auf die Frage, welche Faktoren zu dieser Eskalation führten und welche Folgen sie für die politische Kultur der Bundesrepublik hatte. Um die Geschichte des bundesdeutschen Terrorismus adäquat einordnen zu können, werden wir analoge Phänomene in Ländern wie Italien ("Rote Brigaden") ebenso in unsere Überlegungen einbeziehen wie westeuropäische Gesellschaften, in denen sich zwar ebenfalle eine radikale Linke, aber kein Terrorismus entwickelte, wie etwa die Niederlande. Bitte beachten Sie: Das Seminar ist dreistündig angelegt und erfordert pro Woche etwa einen vollen Arbeitstag Vor- und Nachbereitung. Sie müssen pro Woche 60 bis 80 Seiten lesen und anhand dieser Lektüre von Woche zu Woche eigene Texte verfassen. Nach Ende des Semesters entwerfen Sie zudem ein drei- bis vierseitiges Exposé für ein Forschungsprojekt zu einem Thema Ihrer Wahl. Eine Hausarbeit schreiben Sie jedoch nicht. Wenn Ihnen dieses Konzept nicht behagt, empfehle ich Ihnen das "klassisch" angelegte Hauptseminar "Autobiographien - Tagebücher - Zeitzeugeninterviews. Selbstzeugnisse als Quelle zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts".
Zur Vorbereitung empfehle ich: Klaus Weinhauer: Terrorismus in der Bundesrepublik der Siebzigerjahre. Aspekte einer Sozial- und Kulturgeschichte der Inneren Sicherheit, in: Archiv für Sozialgeschichte 44 (2004), S. 219-242.
Kolloquium Neuere Forschungen zur Zeitgeschichte
Typ: Kolloquium
Zeit: Dienstag 18:00 - 20:00
Ort: SR 225
In dieser Veranstaltung präsentieren Forschende ganz unterschiedlicher "Grade" - vom bekannten Professor von auswärts über die Doktorandin bis zum Examenskandidaten an unserem Institut - die sie aktuell beschäftigenden Themen. Sie geben Einblick in Forschungsdiskussionen und stellen die konzeptionellen und methodischen Ansätze ihrer Arbeiten zur Diskussion. Das Kolloquium wendet sich an alle (!) Studierenden, die Interesse daran haben, den zeithistorischen "Betrieb" jenseits von Seminar und Vorlesung kennen zu lernen und die sich hier Anregungen für eigene künftige Projekte erhoffen.
Alles unter Kontrolle? Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR
Typ: Proseminar, PS (BA-VM-S)
Zeit: Donnerstag, 10:00 - 12:00
Ort: SR 224
Das 1950 gegründete Ministerium für Staatssicherheit (MfS) diente der SED-Diktatur als "Schwert und Schild". Die Aufarbeitung seiner Geschichte begann schon mitten in der "Wende" von 1989/90, als Bürgerrechtler in vielen Städten der DDR die Geheimpolizisten daran hinderten, ihre Akten zu vernichten. Seitdem behauptet das Thema "Stasi" einen prominenten Platz in der wissenschaftlichen und publizistischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR. In diesem Proseminar werden wir uns mit den Konzepten, Akteuren und Praktiken des MfS auseinandersetzen, werden verschiedene Perspektiven auf das Thema kennen lernen und miteinander vergleichen. Vor allem werden wir versuchen, das MfS in der Geschichte der DDR zu verorten: Inwieweit gelang es der Staatssicherheit in verschiedenen Phasen dieser Geschichte, die Gesellschaft zu durchdringen sowie Opposition und Widerstand gegen das SED-Regime zu unterdrücken? Warum erwies sich das MfS im Herbst 1989 aller vermeintlichen Macht zum Trotz als ohnmächtig gegenüber der "friedlichen Revolution"? Schließlich werden wir uns mit der Frage auseinander setzen, wie sich unsere gegenwärtige Gesellschaft mit dem Thema "Stasi" auseinandersetzt - oder: auseinandersetzen sollte.
Zur Vorbereitung empfehle ich Ihnen: Jens Gieseke: Die Staatssicherheit. Schwert und Schild der Partei, Bonn 2000. (für 2 € erhältlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung)

Wintersemester 2007/08

Sechs gegen sechzig Millionen? Der Terrorismus in Westdeutschland während der 70er und 80er Jahre
Typ: Hauptseminar, HS (MA-MI)
Zeit: Dienstag 9:00 - 12:00 Uhr
Ort: SR 225
"Sechs gegen sechzig Millionen" - so beschrieb der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll Anfang der 1970er Jahre die Konfrontation zwischen der Rote Armee Fraktion (RAF) und der bundesdeutschen Gesellschaft. Hätte Böll recht gehabt, das Thema RAF hätte sich wohl mit der Inhaftierung ihrer "ersten Generation" spätestens 1972 erledigt. Statt dessen wurde es zu einer der größten Herausforderungen der bundesdeutschen Demokratie. Das Seminar thematisiert die Geschichte der terroristischen Gruppen (der RAF, aber auch der "Bewegung 2. Juni" und der "Revolutionären Zellen/Rote Zora"), das Verhältnis der bundesdeutschen Linken zum Terrorismus und die Reaktion des Staates. Den Angelpunkt unserer gemeinsamen Seminararbeit bildet der "Deutsche Herbst" von 1977: Wir suchen Antworten auf die Frage, welche Faktoren zu dieser Eskalation führten und welche Folgen sie für die politische Kultur der Bundesrepublik hatte. Um die Geschichte des bundesdeutschen Terrorismus adäquat einordnen zu können, werden wir analoge Phänomene in Ländern wie Italien ("Rote Brigaden") ebenso in unsere Überlegungen einbeziehen wie westeuropäische Gesellschaften, in denen sich zwar ebenfalls eine radikale Linke, aber kein Terrorismus entwickelte, wie etwa die Niederlande. Das Seminar ist dreistündig angelegt und erfordert pro Woche etwa einen vollen Arbeitstag Vor- und Nachbereitung. Die Teilnehmer müssen damit rechnen, pro Woche 60 bis 80 Seiten zu lesen und anhand dieser Lektüre von Woche zu Woche eigene Texte zu verfassen.
Zur Vorbereitung empfehle ich: Klaus Weinhauer/Jörg Requate/Heinz-Gerhard Haupt (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren, Frankfurt/M. 2006.
Kolloquium Zeitgeschichte
Typ: Kolloquium, K (MA-TB)
Zeit: Dienstag 18:00 - 20:00 Uhr
Ort: SR 225
In dieser Veranstaltung präsentieren Forschende ganz unterschiedlicher "Grade" - vom bekannten Professor von auswärts über die Doktorandin bis zum Examenskandidaten an unserem Institut - die sie aktuell beschäftigenden Themen. Sie geben Einblick in Forschungsdiskussionen und stellen die konzeptionellen und methodischen Ansätze ihrer Arbeiten zur Diskussion. Das Kolloquium wendet sich an alle (!) Studierenden, die Interesse daran haben, den zeithistorischen "Betrieb" jenseits von Seminar und Vorlesung kennen zu lernen und die sich hier Anregungen für eigene künftige Projekte erhoffen.
"1968" als internationales Phänomen
Typ: Proseminar, PS (BA-VM)
Zeit: Mittwoch 10:00 - 12:00 Uhr
Ort: SR 225
Zeitgeschichte, so eine derzeit unter Historikerinnen und Historikern weit verbreitete Überzeugung, kann nicht mehr zufrieden stellend als Nationalgeschichte geschrieben werden. Aufgrund der seit 1945 rasant gewachsenen Interdependenzen der einzelnen Gesellschaften müsse ein historisches Phänomen immer auch in seinen "transnationalen" Dimensionen untersucht werden, wenn man es hinreichend erfassen und erklären wolle - so lautet fast schon ein Konsens der historiographischen Zunft. Ob die "inter"- oder "transnationale" Perspektive tatsächlich so unabdingbar ist und inwiefern sie Vorteile gegenüber nationalgeschichtlichen Zugriffen bietet, werden wir in diesem Proseminar anhand eines Phänomens überprüfen, das zweifellos global war: Die kulturellen und politischen Rebellionen vor allem Jugendlicher, die mit dem Schlagwort "1968" umschrieben werden, fanden in San Francisco, Paris und Westberlin ebenso statt wie in Prag und Peking. Aber agierte hier deshalb schon eine nur in ihrer "Transnationalität" zu erklärende Bewegung?
Zur Vorbereitung empfehle ich die Lektüre von: Ingrid Gilcher-Holtey: Die 68er Bewegung. Deutschland - Westeuropa - USA, München 2003, und: dieselbe (Hg.): 1968 - Vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft, München 2003.
Ankunft im Westen? Geschichte der alten Bundesrepublik 1949-1990
Typ: Vorlesung, V (BA-EM)
Zeit: Freitag 10:00 - 12:00 Uhr
Ort: Hörsaal I (ehem. Physik-Hörsaal)
Die Geschichte der "alten" Bundesrepublik wird in den letzten Jahren vor allem als Geschichte einer Gesellschaft geschrieben, die nach zwei Weltkriegen und dem Zivilisationsbruch des Holocaust endlich einen um 1900 eingeschlagenen Irrweg verlassen habe und im "Westen", also beim angloamerikanischen Modell einer modernen pluralistischen Demokratie, angekommen sei. Diese Geschichte sei die Geschichte einer gelungenen "Westernisierung". Die Vorlesung wird die Plausibilität dieses Narratives der bundesdeutschen Geschichte erörtern, indem sie die wichtigsten politik-, sozial-, wirtschafts-, geschlechter- und kulturgeschichtlichen Entwicklungen im Überblick rekonstruiert. Das Verhältnis der Bundesrepublik zum "anderen deutschen Staat" und zum hegemonialen Partner USA sowie ihre Einordnung in ein zunehmend stärker integriertes Westeuropa muss immer mit thematisiert werden, im Kern aber geht es um eine "Nationalgeschichte" der Westdeutschen - wobei am Ende zu bilanzieren sein wird, ob es Sinn macht, die Geschichte der Bundesrepublik in dieser Perspektive zu erörtern.
Zur Einführung empfehle ich die Lektüre von: Edgar Wolfrum: Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 2006, und/oder Manfred Görtemaker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von der Gründung bis zur Gegenwart, München 1999.

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