Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Forschung - PD Dr. Cornelius Torp

Forschungsprojekte

Age, Inequality and Social Justice: Britain and Germany since 1945  (Habilitationsprojekt)

The research project seeks to explore the relationship between structures of inequality and perceptions of social justice in the modern welfare state across two periods: the three decades of its “Golden Age” after World War II, and the still ongoing period of welfare state retrenchment since the 1970s. It focuses on the social and living conditions of old people. Despite their steadily growing number and importance the elderly still constitute a neglected group in social history. Since their fate lies at the heart of social policy, a considerable part of the debates about inequality and social justice in the last sixty years has centered around old people. At the same time these discussions formed the central place where general questions of distributive justice have been closely connected with problems of generational and gender justice.As an exercise in cross-national comparative history, the project compares the historical developments in Great Britain and the Federal Republic of Germany. Both countries are highly industrialized western democracies, and both faced similar challenges; but they diverged notably in their acceptance of inequality, in their modes of societal self-description, and in the model of the welfare state to which they subscribed.The research project has two major analytical dimensions. On the one hand, it sets out to explore the social history of older people in Britain and Germany since 1945. On the other, it asks how the analysed structures of inequality have been perceived and articulated in terms of justice. Scrutinizing the relationship between both spheres simultaneously makes the institutional setting of the welfare state a focal point of attention not only because questions of distributive justice are at the very core of its normative foundation but also because the welfare state is the central institution through which politically influential concepts of redistributive social justice directly affect societal structures.


Unter dem Ansturm der Globalisierung: Deutsche Außenhandelspolitik 1860-1914 (Dissertation, abgeschlossen)

Die ökonomische Globalisierung, die Entwicklung hin zu einem weltumspannenden engmaschigen Netz von Handel und Finanz, ist keine "Erfindung" des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Ein Blick auf die relevanten ökonomischen Indikatoren - wie etwa das Verhältnis von Welthandelsaufkommen und Weltproduktion, die internationale Kapitalmobilität oder die Konvergenz von Waren- und Faktorpreisen - zeigt vielmehr, daß bereits am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf zahlreichen Gebieten ein mit der heutigen Situation vergleichbarer Grad weltwirtschaftlicher Verflechtung erreicht wurde. Vor diesem Hintergrund einer ersten Hochphase weltwirtschaftlicher Integration, die 1914 ihr jähes Ende fand und an die erst nach dem Zweiten Weltkrieg langsam wieder angeknüpft werden konnte, tritt unmittelbar hervor, daß es sich bei der Außenhandelspolitik um ein Politikfeld von entscheidender Bedeutung handelt. Sie umfaßt die Gesamtheit aller staatlichen Maßnahmen zur Beeinflussung des zwischenstaatlichen Waren- und Dienstleistungsverkehrs und stellt damit den zentralen Ort dar, an dem Weltwirtschaft und nationalstaatliche Politik, in einem hohen Maße auch Innen- und Außenpolitik aufeinandertreffen. Auch den Zeitgenossen war dies bereits bewußt: Kaum ein anderes politisches Thema stand so dauerhaft im Brennpunkt des öffentlichen Interesses, kaum ein anderes Problem war Gegenstand so erbitterter Kontroversen wie die Frage der Zoll- und Handelspolitik.


Mit dem Deutschen Reich steht ein Staat im Mittelpunkt, der vor dem Ersten Weltkrieg als zweitgrößte Handelsnation der Welt eine entscheidende Rolle in der globalen Ökonomie spielte und sich überdies - dicht gefolgt von den USA - anschickte, die lange Zeit dominierende Handelsmacht England mit Riesenschritten einzuholen. 1913 konnte Deutschland rund 13 Prozent des Welthandels auf sich vereinigen, womit es nur noch vier Prozentpunkte hinter Großbritannien lag - noch 1880 hatte der britische Anteil mehr als das Doppelte des deutschen betragen. Umgekehrt war der Außenhandel auch für die deutsche Volkswirtschaft selbst von kaum zu überschätzender Bedeutung: Am Vorabend des Ersten Weltkriegs betrug der Anteil des Außenhandels am Bruttoinlandsprodukt immerhin ca. 35 Prozent.


Die Dissertation über die deutsche Außenhandelspolitik im halben Jahrhundert vor dem Ersten Weltkrieg versteht sich als historischer Beitrag zur Analyse des Verhältnisses von Ökonomie und Politik unter den Bedingungen weltwirtschaftlicher Integration.


Sie geht von der Annahme aus, daß die ökonomische Globalisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sich in der Herausbildung eines funktionierenden Weltmarkts für Kapital, Arbeit, Halb- und Fertigfabrikate sowie Agrarprodukte manifestierte, eine Herausforderung darstellte, mit der sich alle entwickelten Volkswirtschaften in ähnlicher Weise konfrontiert sahen. Bis auf England reagierten alle größeren Staaten auf diesen "Globalisierungsschock" mit der Errichtung protektionistischer Schutzmauern - allerdings von sehr unterschiedlicher Höhe und Struktur. Die deutsche Außenhandelspolitik wird als Teil dieser internationalen Reaktion auf die Impulse verstanden, die von der in rasantem Tempo zunehmenden weltwirtschaftlichen Integration ausgingen. Das Promotionsprojekt fragt zum einen nach den politisch-ökonomischen Wechselwirkungen, also den sich durch die erste Welle der Globalisierung verändernden Grundbedingungen nationalstaatlichen politischen Handelns einerseits und den ökonomischen Folgen der ergriffenen außenhandelspolitischen Maßnahmen andererseits. Im Zentrum der Untersuchung stehen zum anderen die konkreten politischen Entscheidungsprozesse und die in sie involvierten Akteure aus Ministerialbürokratie, Diplomatie, politischen Parteien und wirtschaftlichen Interessenverbänden.

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