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Forschung - Dr. Marianne Taatz-Jacobi

DFG-Projekt

Textrecycling im England des 17. Jahrhunderts – Ideen- und Debattentransfer in Zeiten des Bürgerkrieges und der englischen Republik (1638-1661)

Seit dem Krieg in Schottland 1638 und dem Zusammenbruch der Zensur 1640/41 stieg die Zahl der Druckerzeugnisse in England massiv an. In den „wars of words“ kam es zu zahlreichen Wiederabdrucken älterer Schriften, zu Abdrucken älterer Texte in Auszügen, als Kompilation und als Umgestaltung. Der Wiederabdruck älterer Schriften als Beitrag zu den Debatten des Bürgerkriegs und der Republik ist in der Geschichtswissenschaft jedoch nicht eigens untersucht worden.

Das Projekt stellt die Frage, welche politische Bedeutung und Wirkung man dem Wiederabdruck von älteren Texten im englischen Bürgerkrieg und in der Republik zurechnen muss. Es steht die Analyse der politischen Wirkungsabsicht derjenigen, die den Wiederabdruck älterer Debattenbeiträge initiierten, im Fokus:

Welche Ereignisse, welche Autoritäten, welche Debatten, Ideen und Äußerungen wurden wann, von wem, in welchen Konstellationen und aus welchen Gründen durch einen Wiederabdruck aktualisiert?

Die Untersuchung zielt auf eine doppelte Kontextualisierung: Zum einen ist der Kontext zum Zeitpunkt des Wiederabdrucks zu analysieren, zu welcher Debatte der Wiederabdruck einen Beitrag leisten sollte. Zum anderen wird gefragt, in welchen Kontexten die Schrift ursprünglich entstanden ist.

Es wird sich auf vier Felder konzentriert, in denen Ideen und Debatten transferiert wurden:

1. Der Konflikt zwischen Königsgewalt und Parlament

2. Die Auseinandersetzung um die englische Kirche

3. Englands Mission in der Heilsgeschichte und Endzeit

4. Religiöse Praxis und Lebensführung

Das Erkenntnisinteresse richtet sich dabei auf fünf Bereiche:

1. Rediviva: Unter Berücksichtigung formaler Aspekte des Wiederabdrucks wird gefragt, welche Debatten durch Wiederabdrucke adaptiert wurden.

2. Kontextualisierung: In welche zeitgenössischen Debatten wurde wann eingegriffen? Welche Ereignisse wurden ‚kommentiert‘, worauf wurde Bezug genommen?

3. Wirkungsabsicht: Welche politische Wirkungsabsicht wurde mit dem Wiederabdruck verfolgt? Ging es um Einflussnahme auf bestimmte Ereignisse oder auf einen grundlegenden politischen oder religiösen Diskurs?

4. Getarnte Debattenpositionen: Der Wiederabdruck konnte ermöglichen, Positionen in eine Debatte einzuspeisen, die man nicht offen vorbringen konnte oder wollte. Welche Argumente und Positionen wurden aus welchen Gründen getarnt?

5. Geschichtsbilder/Zeitverständnis: Was lässt sich über die Zeitwahrnehmung und das Geschichtsbild der Initiatoren eines Wiederabdrucks aussagen? Sah man sich in einer historischen Kontinuität, oder wurde die Diskontinuität besonders betont?

Auf diese Weise können gängige Annahmen der Forschung zu politischer und religiöser Persistenz und zum Wandel in England zwischen 1638 und 1661 durch die Analyse der Rückbezüge auf ältere Debattenbeiträge durch Wiederabdrucke geprüft und gegebenenfalls modifiziert werden.

Forschungsschwerpunkte

  • Konfessionskulturen in der Frühen Neuzeit
  • Universitätsgeschichte
  • Geschichte Preußens
  • Geschichte Englands im 17. Jahrhundert
  • Pietismusforschung

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