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Prof. Dr. Silke Satjukow - Forschungsprojekte

ABR@HAMS: Analysing Beliefs Religion And Hallowing Attributions in Modern Society Projektverbund

Kooperationspartner:

  • Prof. Dr. Andreas Nürnberger, Leiter der Arbeitsgruppe Data & Knowledge Engineering, Fakultät für Informatik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Prof. Dr. Bertram Schmitz, Lehrstuhlinhaber für Religionswissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena /
  • Univ.-Prof. Dr. Rainer Gries, Franz Vranitzky Chair for European Studies, Institut für Zeitgeschichte & Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien

Debatten um Religionen und um das Religiöse werden in Deutschland gegenwärtig so kontrovers wie nie zuvor geführt – und dies gilt nicht nur in Bezug auf den Islam, sondern auch auf das Christentum und das Judentum. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die geltenden Rahmungen des Religiösen, die hauptsächlich auf gewachsenen Beziehungen von christlichen Kirchen und säkularem Staat basieren, den stark divergierenden Bedürfnissen der anderen Glaubensgemeinschaften in einer multireligiösen Gesellschaft gerecht werden.

„Religiosität 2.0“: Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die religiösen Diskurse bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen der drei abrahamitischen Religionen zu untersuchen. Es soll bei jungen Christ*innen, Muslimen und Muslimas und Jüd*innen erforscht werden, welche Bestandteile ihrer Religion (noch) zentrale Aspekte ihres Lebens darstellen: Was genau zählt für diese jungen Leute zu den Kerngehalten ihrer Religiosität? Was ist ihnen in ihrer Lebenswelt „heilig“?

Dieses „Heilige“ wird in der Mediengesellschaft in spannungsgeladenen und höchst dynamischen individuellen und kollektiven Prozessen authentisch ausgehandelt – und zwar in den Sozialen Medien des Internets. Hier verschmelzen tradierte Narrative mit den Motiven unserer digitalen Moderne. Brisante religiöse, kulturelle, soziale und politische Gemengelagen, die uns als Geschichts-, Religions- und Kommunikationswissenschaftler theoretisch und methodisch am Beginn des 21. Jahrhunderts auf besondere Weise herausfordern.

Die Päpste im „Vorhof der Völker“: Die Kultur- und Kommunikationsgeschichte der Päpste im 20. und 21. Jahrhundert

Kooperationspartner: Univ.-Prof. Dr. Rainer Gries, Franz Vranitzky Chair for European Studies, Institut für Zeitgeschichte & Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien

Im Zuge der Entfaltung moderner Massen- und Mediengesellschaften, während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, avancierten Päpste selbst zu einzigartigen Medien im sozialpsychologischen und im kommunikationstheoretischen Sinne: In ihren Botschaften, vor allem aber in ihren Gesichtern, in ihren Gesten und ihrem Gestus, in ihrem Habit und ihrem Habitus spiegelten und spiegeln sich Ängste und Hoffnungen, Erwartungen und Erfahrungen ganzer Gesellschaften, sozialer Gruppen und Generationen.

Diese Entwicklung birgt ungeahnte und entgrenzte Chancen, aber auch Unwägbarkeiten für die Vermittlung päpstlicher Botschaften und deren Rezeption – gerade bei nicht-katholischen Christ*innen und bei Nichtchrist*innen. Um die Überkomplexität unserer modernen Massengesellschaft zu reduzieren, suchen Gläubige ebenso wie dem Glauben Fernstehende bisweilen das Antlitz und die Ansprache des Papstes als jene einer globalen Vaterfigur oder humanistischen Petitionsinstanz.

Vor diesem Hintergrund erforschen Geschichts-, Kommunikations- und Religionswissenschaftler die außerordentlichen kommunikativen Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen des Papsttums unter den Auspizien der modernen Medien­gesellschaft in Westeuropa.

Forschungsschwerpunkt: Kriegs- und Besatzungskinder

Der Lehrstuhl für die Geschichte der Neuzeit erforscht unter Einnahme kulturhistorischer und historisch-anthropologischer Perspektiven die Erfahrungen von Kriegskindern für den Zeitraum des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Auf dieser Basis wurden bisher drei übergreifende Projekte in Forschung und Lehre profiliert:

"Bankerte!": Besatzungskinder in Deutschland nach 1945

Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Lutz Niethammer, Prof. Dr. Silke Satjukow und Prof. Dr. Rainer Gries in Kooperation der Universitäten Magdeburg und Wien

Publikation: Satjukow, Silke & Gries, Rainer: “Bankerte!“: Besatzungskinder in Deutschland nach 1945, Frankfurt am Main 2015.

Im Frühjahr 1945 marschierten die alliierten Truppen in Deutschland ein, neun Monate später kamen die ersten Besatzungskinder zur Welt. Im ersten Nachkriegsjahrzehnt wurden etwa 400.000 Kinder geboren, deren Väter feindliche Soldaten und deren Mütter zumeist junge Deutsche waren. Nur in den seltensten Fällen erkannten die Männer ihre Vaterschaft und ihre Verantwortung amtlich an. Zeit ihres Lebens trugen diese Kinder daher ein doppeltes Stigma: Sie waren von unehelicher Geburt und Kinder einer Vergewaltigung oder gar einer Beziehung mit dem verhassten Feind. Ihr soziales Umfeld grenzte sie aus, verhöhnte und misshandelte sie psychisch und physisch – sie galten als "Bastarde", "Russenbälger", "Amikinder" oder gar als "Negerbrut". Während Briten, Amerikaner und Russen weder an den Müttern noch an ihrem Nachwuchs Interesse zeigten, organisierten die Franzosen geheime Babytransporte nach Paris und nach Nordafrika. Dort bekamen die Kinder neue Identitäten und wurden zur Adoption freigegeben – das Schicksal dieser "Franzosenkinder" blieb bis heute im Dunkeln.

„Transgenerationale Weitergabe von Erfahrungen und Erinnerungen zwischen deutschen Besatzungskindern und Besatzungsenkeln“

Promotionsprojekt von Sophie Hubbe, M.A. in Kooperation mit den Universitäten Magdeburg und Wien

Die Forschung geht davon aus, dass familiäre Geheimnisse und Leerstellen nicht nur Betroffene selbst, sondern auch nachfolgende Generationen prägen. So er- und durchleben die Kinder der Besatzungskinder, die sogenannten Besatzungsenkel, die oft schwierigen Familiengeschichten ihrer Eltern und Großeltern direkt und indirekt mit. Ähnlich wie die Besatzungskinder – das sind Nachkommen von deutschen Frauen und alliierten Soldaten bzw. Zivilbeamten, die zwischen dem 1. August 1945 und dem 5. Mai 1955 in den westlichen und in der östlichen Besatzungszone gezeugt werden – entstammen Besatzungsenkel Familien, die inmitten kriegerischer Konflikte groß geworden sind oder die Nachwirkungen dieser miterleben mussten. Das Dissertationsvorhaben untersucht den Umgang der Besatzungsenkel mit transferierten Erfahrungen und womöglich Traumata sowie deren nationale und internationale Dispositionen und Optionen.

Erfahrungen von Kindern der Balkankriege

Promotionsprojekt von Lisa Landsteiner, MSc.

Im Zuge eines interdisziplinär angelegten Promotionsvorhabens wird das Ankommen von Menschen in den Blick genommen, die als Kriegskinder in den achtziger und frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts geboren werden und im Zuge der Jugoslawienkriege nach Österreich oder Deutschland flüchten bzw. migrieren. Die Untersuchung geht dabei von der Annahme aus, dass die Kinder der Balkankriege – heute sind sie junge Erwachsene – als Angehörige einer „Generation In-Between“ (Gries, Asboth & Krakovsky, 2016) im Laufe ihres Lebens eine Vielzahl von Passagen durchlaufen, deren Struktur, Form und Gestalt das Spannungsverhältnis von unumgänglichem Weggehen und fraglichem Ankommen in der Aufnahmegesellschaft bildet. In der Synoptik psychologischer und zeitgeschichtlicher Konzepte über Raum, Identität, Hybridität und Zugehörigkeit sollen Bedeutungsstrukturen, die sich für das Ankommen geflüchteter bzw. migrierter Subjekte vergegenwärtigen, anhand von Interviews mit besonderem Fokus auf alltagsgeschichtliche, (entwicklungs-) psychologische und materialdiskursive Elemente erforscht werden.

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