Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Forschung - Prof. Dr. Andreas Ranft

Forschungsprojekte

„Stadt und Residenz“ – Die Entwicklung der Residenzstadt im Blick auf die mitteldeutsche Residenzenlandschaft und im europäischen Vergleich

mit mehreren Teilprojekten dazu (M. Meinhardt; G. Deutschländer; V. Grave; M. v.d. Höh, Bochum)


Index Librorum Civitatum - Verzeichnis der Stadtbücher des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

gem. mit Prof. em. Dr. Reinhard Kluge
Dr. Christian Speer
Dr. Katrin Moeller
Andreas Petter
Patrick Sahle

Das Index-Projekt weist in einer Online-Datenbank ortsübergreifend die Überlieferung an Stadtbüchern bis zum Grenzjahr 1800 nach. Dazu werden Daten aus eigenen Erhebungen wie aus Arbeiten Dritter, die gegebenenfalls gegengeprüft werden, verwendet. Erstes Hauptmodul für die Datenbank ist das von Reinhard Kluge seit 1976 betreute Stadtbuchinventar für die fünf ostdeutschen Länder Berlin/Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit Nachweisen für etwa 70.000 Stadtbücher aus über 450 Städten.

Das Index-Projekt ist beim Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte an der Universität Halle-Wittenberg angesiedelt und wird hauptsächlich ehrenamtlich durchgeführt. Die erste Datenbankversion soll im Sommer 2006 online gehen. Derzeit laufen Verhandlungen über eine Beteiligung polnischer und tschechischer Forscher; eine Kooperation mit Forschern in weiteren Ländern ist in Aussicht genommen.

Als Stadtbücher (libri civitatum) werden Kodizes bezeichnet, die seit dem 13. Jahrhundert bei städtischen Ämtern zu Verwaltungszwecken geführt wurden. Je nach Verwendungsdauer und Aufzeichnungsumfang entstanden starke Bände oder schmale Hefte. Als Beschreibstoffe begegnen Pergament, Papier und Wachs.

Stadtbücher gestatten einen der ergiebigsten Einblicke in das Leben der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt. Gleichwohl gehören Stadtbücher zu den am schlechtesten erforschten Quellen. Die archivische Erschließung stellt oft hohe Anforderungen; die Überlieferung ist extrem breit gestreut und damit auch für die Forschung schwer erreichbar und kaum zu überblicken. Besonders das Material aus kleinen Städten, die die Masse der vormodernen Städte darstellten, ist bisher kaum bekannt. Das Index-Projekt soll diesen Mängeln abhelfen.

Bisherige Publikationen zum Projekt und zu Einzelfragen der Datenerhebung

  • Reinhard Kluge: Stadtbücher im Archivwesen der DDR, in: Archivmitteilungen, Jg. 38 (1988), S. 90-95.
  • Reinhard Kluge: Das Stadtbuchinventar in den neuen Bundesländern. Entstehung, Aufbau, Stand, Aufgaben, in: Jürgen Sarnowsky (Hg.): Verwaltung und Schriftlichkeit in den Hansestädten, Trier 2006 (Hansische Studien; Bd. 16), S. 65-70.
  • Andreas Petter: Mittelalterliche Stadtbücher und ihre Erschließung. Grundlagen und Gestaltung quellenkundlicher Arbeiten zur mitteldeutschen Überlieferung, in: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, Bd. 24 (2002/03), S. 189-245.
  • Andreas Petter: Kulturtransfer, Schrift-Organisation und Überformung: Drei Thesen zur Entstehung, Funktion und Struktur städtischer Amtsbuchüberlieferung aus dem Mittelalter, in: Jürgen Sarnowsky (Hg.): Verwaltung und Schriftlichkeit in den Hansestädten, Trier 2006 (Hansische Studien; Bd. 16), S. 17-63.
  • Andreas Ranft: Repräsentation dynamischer Strukturen in Stadtbuchquellen als Problem historisch-kritischer Editionsarbeit, in: Matthias Thumser, Janusz Tandecki, Antje Thumser (Hgg.): Quellenvielfalt und editorische Methoden, Toruń 2003 (Publikationen des Deutsch-Polnischen Gesprächskreises für Quelleneditionen / Publikacje Niemiecko-Polskiej Grupy Dyskusyjnej do Spraw Edycji Żródeł ; Bd. 2), S. 13-54.
  • Patrick Sahle: Das Plauener Stadtbuch und die Stadtbuchforschung, Ms. mschr. Köln 1996.

„Cultures in motion“ – Diffusionen europäischer Adels- und Hofkultur im Mittelalter

in Verbindung mit B. Schnepel, Institut für Ethnologie


Die Entwicklung des kommunalen Verwaltungswesens der mittelalterlichen Stadt

Insbesondere sind die bislang kaum oder gar nicht erforschten kleinen und mittelgroßen Städte Mitteldeutschlands im Blick, der z.T. außerordentlich günstige Überlieferung völlig neue Einblicke in die Genese kommunaler Verwaltungs- und Rechtsbildungsstrukturen bildet. Darüber hinaus ist in diesem Zusammenhang geplant, nach sich ausbildenden Kompetenzen zu fragen und nach der diese tragenden sozialen Schicht, die unterhalb der Ebene ratsfähiger Leute zu finden ist. Auch soll nach Verwaltungslandschaften gefragt werden, die sich ganz offensichtlich im Laufe des 14. Jh. überregional abzubilden beginnen. Die Bereisung der einschlägigen Stadt- und Staatsarchive in Planung.


Forschungen zur Kulturgeschichte des europäischen Adels

Hier geht es um die Erforschung einer sich ausbildenden synchronen Hofkultur, die durch einen gesamteuropäischen, gegenseitigen adligen Reiseverkehr (die sog. Hofesreise) in besonderem Maße befördert und gesteigert wird. Quellen sind hier Reiseberichte, Hofordnungen und -rechnungen. Das Projekt wird in Abstimmung mit den Forschungen der Residenzenkommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen durchgeführt.


Die soziale Funktion der Wappen in Wappen-, Turnier-, Haus- und Familienbüchern

Untersucht wird Notationspraxis von Wappen und Namenlisten in der genannten Quellengattung sowohl aus adligem wie auch bürgerlichem Milieu.


Abgeschlossene Dissertations- und Habilitationsverfahren

Marc von der Höh: Die Erinnerungskultur der frühen Kommune. Pisa im Hochmittelalter (1050-1150). (Dissertation, abgeschlossen)

Matthias Meinhardt: Dresden im Wandel. Studien zu Raum und Bevölkerung der Stadt im Residenzbildungsprozess des 15. und 16. Jahrhunderts. (Dissertation, abgeschlossen)

Dr. Stephan Selzer: Farben und Farbstoffe 1350-1550. (Habilitation, abgeschlossen)

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