Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Lehre

Sommersemester 2017

Mensch und Natur in der Moderne: Chancen und Grenzen einer Geschichte der Umwelt
Bachelor Geschichte - VM-S
Natur und Kultur gelten landläufig als Gegenbegriffe. Die ahistorische Natur scheint sich vom veränderlichen Gestalten der Menschen grundlegend zu unterscheiden. Dagegen betont die Umweltgeschichte die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur, die es zu historisieren gelte. Umwelthistoriker/innen interessieren sich deshalb etwa für die Geschichte des Wassers, der Luft und des Waldes, für die Entwicklung der Gefahren für die Umwelt und des Umweltschutzes, aber auch für die Geschichte der Vorstellungen, die sich Menschen von der Natur und von ihrem Verhältnis zur Natur gemacht haben. Methodisch ist die Umweltgeschiche nicht zuletzt deshalb interessant, weil sie lokale Befunde mit transnationalen, globalen Entwicklungen verbindet.
In der Blockveranstaltung wollen wir anhand einschlägiger Arbeiten und Quellen Grundzüge und Tendenzen der umwelthistorischen Forschung kennenlernen. Wo liegen die Chancen, wo die Grenzen eines Ansatzes, der „Natur“ als eine historiografische Kategorie in den verschiedenen Teildisziplinen berücksichtigt wissen will?
Voraussetzung für die Teilnahme ist die Rezension einer umweltgeschichtlichen Arbeit (dt./engl.) vor Beginn des Blockseminars (Abgabetermin: 1.6.2017). Hinweise dazu und eine Literaturliste werden rechtzeitig verteilt.
Einführende Literatur:
Frank Uekötter, Umweltgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, 2. Aufl. München 2010 (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Bd. 81) oder Verena Winniwarter und Martin Knoll, Umweltgeschichte, Köln 2007 (utb).

Wintersemester 2016/17

Gesellschaftlich-kultureller Wandel in Ost- und Westdeutschland 1970-1990. Ergebnisse, Probleme und Perspektiven der Zeitgeschichte
Master Geschichte - MI-MII-SM
Endete in den 1970er und 80er Jahre eine positive Nachkriegsentwicklung? Oder entstanden neue Entwicklungsmöglichkeiten, die bessere Lebenschancen boten? Was bedeutete das für den ost- und westdeutschen Fall? So lauten Leitfragen einer Gesellschaftsgeschichte der 1970er und 80er Jahre, die seit einigen Jahren ins Blickfeld der Zeitgeschichte rücken und die wir in unserem Seminar auf zwei Arten aufgreifen werden. Zum einen wollen wir den krisenhaften Charakter der Zeit herausarbeiten, wie ihn bereits die Zeitgenossen angesichts der „Ölkrisen“, der „Grenzen des Wachstums“ oder des „Waldsterbens“ deutlich empfunden haben. Der Verunsicherung durch den Verlust der älteren Formen des Politischen im weiten Sinne standen Strukturveränderungen gegenüber, die in eine Zukunft „nach dem Boom“ wiesen. Die Ambivalenz dieses (transnationalen) Strukturwandels soll anhand ausgewählter Aspekte diskutiert werden.
Zum anderen wollen wir Ansätze einer deutsch-deutschen Zeitgeschichte aufgreifen und diskutieren. Statt die Geschichte der DDR und der Bundesrepublik (nur) getrennt zu erforschen, zielen erste übergreifende Studien mithilfe vergleichs- und verflechtungsgeschichtlicher Methoden darauf, Gemeinsamkeiten und Unterschiede bzw. innerdeutsche Bezüge herauszustellen. Zwar entwickelten sich beide Staaten in den zwei Jahrzehnen vor der Wiedereinigung weiter auseinander, doch beide mussten Antworten auf die „globalen“ politischen, sozialen und kulturellen Umbrüche finden. Zudem bildete die Bundesrepublik bis 1989/90 einen Bezugsrahmen für die ostdeutsche Gesellschaft. Insofern konzipieren Historiker/innen auch die deutsch-deutsche Zeitgeschichte vor allem als eine Vorgeschichte unserer Gegenwart.
Als Diskussionsgrundlage dienen uns neben der gemeinsamen Lektüre von Basistexten Kurzreferate, die vor dem Blockseminar auf StudIP bereitzustellen sind. Weil der Mehrwert der Lehrveranstaltung wesentlich von der rechtzeitigen Vorbereitung (Lektüre) abhängt, ist entsprechende Zeit einzuplanen.
Einführende Literatur:
Frank Bösch (Hg.), Geteilte Geschichte. Ost- und Westdeutschland 1970–2000, Göttingen 2016; Anselm Doering-Manteuffel, Lutz Raphael, Thomas Schlemmer (Hg.), Vorgeschichte der Gegenwart. Dimensionen des Strukturbruchs nach dem Boom, Göttingen 2016; Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael, Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008; Andreas Wirsching, Abschied vom Provisorium. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1982 bis 1990, München 2006.

Sommersemester 2016

Geschichte des Tourismus (18.-21. Jh.)
Master Geschichte, MI
17.-18.06.2016 (Blockveranstaltung)
Die historische Tourismusforschung steckt noch in den Anfängen – ganz im Gegensatz zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedeutung, die das Reisen seit dem 19. Jahrhundert gewonnen hat. Im Hinblick auf die sozialen Trägergruppen lassen sich verschiedene Typen und sich überlappende Phasen des modernen Tourismus unterscheiden, die mit einer Erweiterung auf immer breitere Bevölkerungsschichten einhergehen: Sieht man vom großbürgerlichen und adligen Individualtourismus des 18. Jahrhunderts ab, verlief die Entwicklung in Mittel- und Westeuropa über eine Entstehungsphase bis 1880 (Eisenbahn), die Zeit der kleinbürgerlichen "Sommerfrische" bis 1930 und des gewerkschaftlichen "Sozialtourismus" nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Durchbruch des kommerziellen Massentourismus zwischen den 1950er und 1970er Jahren. Ein weiteres Unterscheidungskriterium folgt den Motiven, die Männer und Frauen veranlassten, auf Reisen zu gehen, und ihren Aktivitäten am Urlaubsort. Bildungstourismus, Bäderreise oder auch "Schlachtfeldtourismus" lauten einige Stichworte.
Anhand der Lektüre von ausgewählten Arbeiten zum Thema, die im Plenum vorgestellt oder auszugsweise gemeinsam gelesen werden, wollen wir uns dem Thema nähern, das sich als Gegenstand einer transnational und interdisziplinär angelegten Forschung besonders gut eignet. Der Schwerpunkt liegt auf Europa im 19. und 20. Jahrhundert.
Vorausgesetzt wird die Bereitschaft, sich zur Vorbereitung auf die Blockveranstaltung gründlich mit jeweils einem einschlägigen Werk der Forschungsliteratur zu befassen; die Literaturliste wird zu Beginn des Semesters verteilt.

Wintersemester 2014/15

Gesellschaft im Nationalsozialismus: Potenzial und Probleme neuer Forschungsperspektiven
BA Geschichte Modul Theorie und Methoden, Übung
16.-18.01.2015 (Blockveranstaltung)
Die Popularität des nationalsozialistischen Regimes bis weit in den Krieg hinein ließ sich mit der älteren NS-Forschung etwa zu Klassenstrukturen, sozialem Wandel und Widerständigkeit nicht erklären. Neuere Ansätze zielen deshalb auf die zeitgenössische Attraktivität des Nationalsozialismus und messen insbesondere der Idee einer "Volksgemeinschaft" große Bedeutung bei. Nicht der Terror, nicht Antisemitismus und Antibolschewismus, sondern die soziale Utopie habe demzufolge die größere Mobilisierungskraft entfaltet. Dazu zählten der Badeurlaub mit der Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" und der Eintopf-Sonntag ebenso wie Menschenexperimente und Euthanasiemorde zur rassischen Optimierung. Doch ist es überhaupt sinnvoll, einen Leitbegriff der NS-Propaganda 70 Jahre später für die historische Analyse heranzuziehen? Sind die Vorzüge (etwa die Erklärung der affektiven Integration) größer als die Nachteile (etwa das Versagen bei der Erklärung der Triebkräfte für Krieg und Genozid)?
In dem Blockseminar wollen wir diese Kontroverse aufgreifen, um – so lautet ein Lernziel – auf einem zentralen Gebiet der Moderne einen historischen Forschungsansatz kennenzulernen und problemorientiert anzuwenden. Einerseits arbeiten wir dazu mit schriftlichen und (audio)visuellen Quellen, andererseits präsentieren und diskutieren wir kontroverse Positionen der NS-Forschung. Zu den Lehr- und Lernformen dieses Blockseminars gehören neben meinem Einführungsvortrag die interaktiven Quellenarbeit in Arbeitsgruppen, die gemeinsame Lektüre zentraler Texte und die Präsentation einzelner Aspekte des Themas in Referaten. Ausgewählte Texte werden zum Download bereitgestellt. Für die gemeinsame Vorbereitung sind die Thesenpapiere der einzelnen Referate vor der Lehrveranstaltung auf StudIP zur Verfügung zu stellen.
Einführende Literatur:
Frank Bajohr / Michael Wildt (Hg.), Volksgemeinschaft. Neue Forschungen zur Gesellschaft des Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 2009; Detlef Schmiechen-Ackermann, (Hg.), "Volksgemeinschaft": Mythos, wirkungsmächtige soziale Verheißung oder soziale Realität im "Dritten Reich", Paderborn 2012; Dietmar Süß / Winfried Süß, Das „Dritte Reich“. Eine Einführung, München 2008

Wintersemester 2013/14

Die Konsumgesellschaft – eine Lebensform der Moderne? Quellen, Analysen, Kontroversen
Übung MA-/LA Moderne I (Blockveranstaltung)
Fr. 11-17, Sa., 9.30-16, So. 9.30-13
Konsumgeschichte hat Konjunktur. Die Frage nach dem Erwerb und Gebrauch von Gütern und Dienstleistungen sowie nach den sie begleitenden Diskursen, Ritualen und Formen der Vergesellschaftung lenkt den Blick auf sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Entwicklungen ebenso wie auf die "subjektive" Dimension der Moderne, etwa den Wandel von Werten und Wünschen. Konsum dient der sozialen Abgrenzung wie auch der Markierung der Geschlechterunterschiede. Privater Konsum wird durch politische Maßnahmen wie Steuern oder Subvention geprägt und dient seinerseits der Legitimation von Staat und Gesellschaft.
In dieser Blockveranstaltung untersuchen wir auf der Grundlage der neueren Forschung und anhand von Text- und Bildquellen insbesondere a) einzelne Konsumfelder  wie z.B. Ernährung, Bekleidung, Wohnen; Mobilität/Tourismus, Unterhaltung/Vergnügen; b) die Rolle des "Konsumenten" zwischen Manipulation und Eigensinn und c) die Bedeutung der konsumtiven Lebensweise für die Gesellschaft, die sich schließlich  zu unterschiedlichen Graden als "Konsumgesellschaft" verstehen lässt. Wir ziehen dafür Konsumtheorien sowie (konservative, linke, ökologische) Konsumkritiken heran und diskutieren schließlich mögliche Periodisierungen seit dem 18. Jahrhundert. – Für die gemeinsame Vorbereitung sind die Thesenpapiere der einzelnen Referate vor der Lehrveranstaltung zur Verfügung zu stellen.
Einführende Literatur:

Wolfgang König, Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft. Konsum als Lebensform der Moderne, Franz Steiner, Stuttgart 2008; Jürgen Kocka, Hartmut Kaelble, Hannes Siegrist (Hrsg.), Europäische Konsumgeschichte. Zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte des Konsums (18.-20.Jh.), Campus, Frankfurt a. M. 1997; Claudius Torp, Heinz-Gerhard Haupt (Hrsg.), Die Konsumgesellschaft in Deutschland 1890-1990. Ein Handbuch, Campus, Frankfurt a. M. 2009.

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