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Entnazifizierung in der Provinz Sachsen/Sachsen-Anhalt 1945-1948

Entnazifizierung in der Provinz Sachsen/Sachsen-Anhalt 1945-1948

Nach dem Ende der NS-Herrschaft sollten gemäß den Beschlüssen der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges Nationalsozialisten aus ihren Positionen in Wirtschaft und Verwaltung entfernt werden.

Bis zum offiziellen Ende der so genannten Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im März 1948 wurden sämtliche Beschäftigten im öffentlichen Dienst - vom Schulhausmeister bis zum Oberbürgermeister - durch Kommissionen, Ausschüsse und sonstige Gremien auf betrieblicher, städtischer und Provinzebene, im Frühjahr/Sommer 1945 auch durch die Besatzungsmacht selbst, auf ihre politische Vergangenheit überprüft. Kriterien, die über Entlassung oder Weiterbeschäftigung, Gehalts- oder Pensionskürzung, Versetzung in ein untergeordnetes Beschäftigungsverhältnis entschieden, waren abhängig von der politischen Großwetterlage und den alltäglichen organisatorischen wie wirtschaftlichen Erfordernissen der Nachkriegsgesellschaft Veränderungen unterworfen. Die Unterscheidung zwischen "Nominellen" und "Aktiven" war nicht gleichzusetzen mit "politischer Unbedenklichkeit" oder "Tragbarkeit" und "Untragbarkeit" - somit fast immer der Entlassung des so Beurteilten. Auch diente die Säuberung des Personals in den öffentlichen Verwaltungen und Betrieben nicht ausschließlich der Entfernung ehemaliger NSDAP-Mitglieder. Vielmehr waren mit fortschreitender Stärkung und Festigung des kommunistischen Einflusses in allen Bereichen des öffentlichen Lebens erklärte und vermeintliche Gegner des sich abzeichnenden fundamentalen gesellschaftlichen Wandels im Sinne von KPD/SED und Sowjetischer Militäradministration Sanktionen und Repressalien ausgesetzt. Unter dem Deckmantel der Entnazifizierung wurden sie aus einflußreichen Positionen in den Verwaltungen und Schulen ebenso verdrängt wie in der Wirtschaft.

Wie wurden in der Provinz Sachsen bzw. ab 1947 dem Land Sachsen-Anhalt die jeweils geltenden Entnazifizierungsvorschriften umgesetzt? In welchem Ausmaß kamen in einem Beziehungsgeflecht aus personalpolitischen Erfordernissen der jeweiligen Behörde, Interessen von Provinzialregierung, Parteien und SMA sowie Versuchen, die tatsächliche individuelle Belastung der zu Entnazifizierenden zu berücksichtigen, die gesetzlich fixierten Vorgaben überhaupt zum Tragen? Und welchen Einfluß hatten die sich verändernden politischen Verhältnisse in der SBZ nicht nur auf die personelle Säuberung, sondern auf die Personalpolitik in den Verwaltungen und Betrieben insgesamt?

Im Rahmen einer Dissertation wird dieses Thema erstmals für die Provinz Sachsen untersucht. Erforscht werden nicht nur Verlauf und Ergebnisse der Entnazifizierung auf Provinz- bzw. Landesebene, sondern anknüpfend an politische und soziale Milieus der Weimarer Zeit auch die Regionen - vergleichend zum liberalen Köthen Magdeburg als Hochburg der Sozialdemokratie, Halle als Industrie-, Verwaltungs- und Universitätsstadt, das "rote" Mansfeld, die "schwarze Altmark" sowie Wittenberg als einzige von der Roten Armee und nicht von Amerikanern eingenommene größere Stadt im heutigen Sachsen-Anhalt. Schwerpunkte sind neben der regionalen Ebene die Bereiche Verwaltung, Justiz, Polizei und Bildungswesen.

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