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Symbolische Interaktion in der Residenzstadt

Symbolische Interaktion in der Residenzstadt des späten Mittelalters

Die Abbildung zeigt einen Wappenstein, der einst am hallischen Moritztor angebracht war, das sich im Südwesten der mittelalterlichen Stadt befand. Zu sehen sind das Wappen der Stadt Halle und das des Erzstifts Magdeburg sowie ein Drache. Die Inschrift lautet aufgelöst: Anno domini MCCCCLVII feria quinta post Bartholomaei haec valva est incepta. („Im Jahre des Herrn 1457 am Donnerstag nach Bartholomäus [also am 25. August] ist dieses Tor begonnen worden.“). Heute wird der Wappenstein in der Moritzburg aufbewahrt.

Die Abbildung zeigt einen Wappenstein, der einst am hallischen Moritztor angebracht war, das sich im Südwesten der mittelalterlichen Stadt befand. Zu sehen sind das Wappen der Stadt Halle und das des Erzstifts Magdeburg sowie ein Drache. Die Inschrift lautet aufgelöst: Anno domini MCCCCLVII feria quinta post Bartholomaei haec valva est incepta. („Im Jahre des Herrn 1457 am Donnerstag nach Bartholomäus [also am 25. August] ist dieses Tor begonnen worden.“). Heute wird der Wappenstein in der Moritzburg aufbewahrt.


Tagung des Forschungsprojekts

„Stadt und Residenz im mitteldeutschen Raum“

am Institut für Geschichte (MLU Halle-Wittenberg)

23. bis 25. November 2006

Veranstaltungsraum der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt

August-Bebel-Straße 13, 06108  Halle (Saale)


Residenzbildung bedeutet das Eindringen bzw. die dauerhafte Festsetzung des landesherrlichen Hofes in der Stadt. Stadt und Hof können hierbei als zwei unterschiedliche soziale Sphären begriffen werden, die auf vielfache Weise miteinander in Beziehung treten und aufeinander einwirken. Ein zentraler, bisher jedoch nur am Rande gewürdigter Aspekt dieses Beziehungsnetzes ist die symbolische Interaktion zwischen den beiden Sphären. So können etwa Inschriften, Wappen und Architektur die Ansprüche oder aber schlicht die Präsenz des Stadtherrn und seines Hofes gegenüber der Stadt demonstrieren. Derartige Zeichen können Grenzen markieren, etwa den Schlossbezirk von der Stadt abgrenzen oder aber den Zugriff des Stadtherrn auf die gesamte Stadt ausdrücken. Von städtischer Seite hervorgebrachte Zeichen können im Gegenzug den städtischen Autonomieanspruch verdeutlichen oder darauf abzielen, entsprechende Zugriffsversuche des Hofes abzuwehren. In anderer Weise, aber mit grundsätzlich vergleichbarer Absicht wirken Rituale und zeremonielle Handlungen. Höfische und städtische Feste, Herrschereinzüge oder Huldigungen, schließlich auch religiöse Prozessionen und Bestattungsrituale besetzen den Stadtraum oder Teile desselben durch den Hof, durch die Stadt oder durch beide gemeinsam.
Wichtig erscheint, sich nicht von Anfang an auf ein Konfrontationsmodell der Residenzbildung festzulegen: Gerade auf der Ebene der Kommunikation lassen sich Phänomene beobachten, die auf die Integration der beiden Sphären bzw. gesellschaftlichen Systeme ausgerichtet sind. Auch die diachrone Dimension des Problems darf nicht ausgeblendet werden. Der Stadtherr und sein Hof waren schon vor der Residenzbildung mehr oder weniger oft in den Städten präsent. Zu fragen ist also, ob sich die in dieser Phase zu beobachtenden Formen symbolischer Interaktion zwischen dem Stadtherrn bzw. seinem Hof und der Stadt von denen unterscheiden, die man dann während der Residenzbildung beobachten kann, und ob sich diese wiederum von denen unterscheiden lassen, wiederum von denen unterscheiden lassen, die die Phase der ausgeprägten bzw. konsolidierten Residenzstadt bestimmten. Es geht somit nicht bloß um die Analyse einzelner Formen symbolischer Interaktion, vielmehr sollen diese mit der Frage nach dem Wandel verbunden werden, den Hof und Stadt durch die Residenzbildung erfahren haben.


Seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts lässt sich in den Territorien des Reiches die Ausbildung fester Herrschaftsmittelpunkte beobachten. Jüngere Forschungen haben gezeigt, dass dieser Prozess der Residenzbildung auf unterschiedlichste Ressourcen des städtischen Umfelds angewiesen war. Gleich ob die Residenz in einer bereits bestehenden Stadt entstand oder ob sich um die Residenz eine neue städtische Siedlung bildete: Stadt und Residenz waren stets eng aufeinander bezogen und miteinander verbunden. Der Untersuchung der Beziehungen zwischen beiden kommt daher zentrale Bedeutung zu.
Die im Rahmen des Forschungsprojekts „Stadt und Residenz im mitteldeutschen Raum“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg veranstaltete Tagung wird hierbei neue Ergebnisse und Einsichten in eine vielschichtige Problematik zusammentragen. Nicht zuletzt sollen aber auch innovative Ansätze erprobt und diskutiert werden, die das Feld der Residenzenforschung um weitere interessante Facetten bereichern können.

Kontakt

Gerrit Deutschländer M.A.
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Geschichte
Hoher Weg 4

Postanschrift:
Gerrit Deutschländer M.A.
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Geschichte
Hoher Weg 4
06120 Halle (Saale)

Telefon: 0345-5524308

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