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Tagungen des Instituts für Geschichte

Aktuelle und zurückliegende Tagungen und Kolloquien

Höfische Aufklärung: Aufklärer am Hof, Hofkritik in der Aufklärung

Halle/Saale, 12.-14. Oktober 2017

Konferenzsprache: englisch

Druckfassung deutsch
Tagung Aufklärung und Hof.pdf (199,6 KB)  vom 12.08.2016

Please find here the English version
Enlightenment at court_Expose.pdf (172,8 KB)  vom 12.08.2016

1. Zielsetzung und Fragestellung

Die Aufklärungsforschung ist in Bewegung. Scheinbar festgefügte Dichotomien („Aufklärung vs. Religion“) geraten ins Wanken, lange dominierende Ansätze („Aufgeklärter Absolutismus“, „Bürgertum“, „bürgerliche Öffentlichkeit“) verblassen, und aktuelle ideengeschichtlich und kulturhistorisch orientierte Forschungen zeigen die Aufklärung in komplexeren intellektuellen, sozialen und kommunikativen Zusammenhängen als zuvor.

Ausgangspunkt dieser Tagung ist ein vermeintliches Paradox: Zum einen sind der Hof und die höfische Gesellschaft in zahlreichen Schriften aufgeklärter Autoren Gegenstand negativer diskursiver Zuschreibungen: Der Hof wird hier als Ort der Despotie, der Heuchelei, der Oberflächlichkeit, der Intrige, der (häufig in Gender- und Nationalstereotypen formulierten) Verweiblichung, des Luxus, der Korruption, der Habgier, des persönlichen Ehrgeizes, des Sittenverfalls, der Unzucht etc. dargestellt, und Höflinge erscheinen etwa als effeminierte und hedonistische Schmeichler, die nur um ihre eigene Stellung, nicht aber um das Gemeinwohl besorgt sind.

Der Hof dient in diesen Schriften als negatives Gegenbild zum Tugendkanon des klassischen Republikanismus, der sich auszeichnet durch Sittenstrenge, Pflichtbewusstsein, Bescheidenheit, Natürlichkeit und Opferbereitschaft für das Gemeinwesen. Diese Dichotomien haben alle ältere Wurzeln und speisen sich aus antiken Texten wie reformatorischen Diskursen, sind aber im politischen Diskurs im 18. Jahrhundert geradezu allgegenwärtig.

Zum anderen lässt sich aber feststellen, dass viele Autoren, die sich antihöfischer Stereotypen und Invektiven bedienten, ihrerseits oftmals eingebunden waren in Netzwerke, Patronage- und Klientelverhältnisse, die sie mit der politisch-sozialen Welt des Hofes oder zumindest mit einzelnen Hofmitgliedern verbanden. In ihren Sozialbeziehungen standen zahlreiche Autoren, die sich als „Aufklärer“ inszenierten, den europäischen Fürstenhöfen durchaus nah und waren häufig Teil der sozialen Figuration des Hofes. Selbst Fürsten wie Friedrich II. von Preußen haben sich in ihrer Selbstdarstellung antihöfischer Topoi bedient, obwohl sie einem Fürstenhof vorstanden (Biskup 2012 und 2007).

Es ist das Ziel dieser Tagung, diese Verschränkung von sozialer Konstellation und diskursiven Praktiken zu untersuchen und so das Verhältnis zwischen der Figuration der europäischen Fürstenhöfe, den Protagonisten der Aufklärung und ihrer Ideen neu zu bestimmen.

Zwei Leitfragen sollen im Vordergrund stehen:

Erstens sollen die europäischen Fürstenhöfe als Begegnungsräume der Aufklärung in den Blick genommen werden. Es wird danach gefragt, inwieweit und wie aufgeklärte Projekte und aufgeklärte Autoren an Fürstenhöfe angebunden waren, und ob diese vielleicht sogar den in Europa wichtigsten institutionellen und sozialen Rahmen für aufgeklärte Praktiken boten. Andere institutionelle oder soziable Kommunikationsrahmen wie Universitäten, Akademien, Sozietäten, Salons, Clubs, Freimaurerlogen usw. lassen sich jeweils in einigen Ländern als Zentren der Aufklärung benennen, nicht aber in Europa insgesamt. Gleichwohl hat die Aufklärungsforschung all diesen unterschiedlichen Institutionalisierungen von Geselligkeit und Gelehrsamkeit bislang größere Aufmerksamkeit zugewendet als den Fürstenhöfen: Im aktuellen Handbuch Europäische Aufklärung etwa werden Fürstenhöfe gar nicht aufgeführt (Thoma 2015).

Zweitens soll gefragt werden, weshalb die Fürstenhöfe trotz ihrer wichtigen Funktion für die Aufklärung zugleich so häufig im Fokus der Kritik standen, und weshalb sich insbesondere aufgeklärte Autoren in dieser Polemik besonders hervortaten. Die soziale und politische Funktion antihöfischer Sprechakte und Diskurse im Kontext der Höfe verstehen zu lernen ist daher ein weiteres wichtiges Anliegen dieser Tagung.


„Konjunkturen konfessioneller Differenz? Zur gesellschaftlichen Interaktion von Lutheranern und Reformierten zwischen 1648 und den Kirchenunionen des 19. Jahrhunderts“

17.-18.3.2016 in der Leucorea zu Wittenberg

Die Tagung widmet sich dem Mit- und Gegeneinander der protestantischen Konfessionen und damit einem stark vernachlässigten Thema. Seine Erforschung erscheint gerade angesichts des Reformationsjubiläums 2017, in dessen Kontext in aller Regel eine gesamtprotestantische Identität erinnert wird, von großem Interesse.

Konfessionen konstituierten sich nicht allein durch religiöse Werte, sondern ihre Differenzen mussten markiert werden. Die interdisziplinäre Tagung wird sich dem zunächst von theoretischer Seite nähern. Mittels Fallstudien werden dann in zwei Sektionen vergleichend die strukturellen und temporären Bedingungsfaktoren von Konjunkturen im Alten Reich betrachtet. Welche Dynamiken der Semantik lassen sich bezüglich der wechselseitigen Wahrnehmung beider Gruppen feststellen? Welche Interessen verfolgten Differenz markierende Akteure? Wie unterscheiden sich Laien und Geistliche? Wie wirkten sich Veränderungen von Herrschaftsbeziehungen, aber auch der Verfügbarkeit von Ressourcen aus? Welche Folgen zeitigten Schübe staatlicher Toleranz? Wie war diese mit Unionsplänen zu vermitteln?

Schließlich ist das Feld der „privilegierten Signifikanten“ (Philipp Sarasin) zu thematisieren: Welche Rituale und Symbole waren für die Konstitution konfessioneller Differenz besonders wichtig? Welche Funktionen kamen Abendmahl und Taufe, welche den Wortgottesdiensten und Kasualien zu? Wie schlugen sich konfessionelle Differenzen im öffentlichen Raum nieder?

Die Epochengrenze zur Moderne in einer letzten Sektion zu überschreiten, liegt hier besonders nahe, weil die Unionskirchen in ganz unterschiedlicher Form mit Symbolisierungen umgingen. Außerdem prägten sich im Kontext der Entstehung oder auch des Scheiterns von Unionen die konfessionellen Differenzen nochmals besonders aus.

Die Tagung wird maßgeblich von der Reformationsgeschichtlichen Sozietät der Martin-Luther-Universität gefördert und begleitet. Die Organisation liegt in den Händen von Dr. Jan Brademann, Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts, und Dr. Marianne Taatz-Jacobi, Institut für Geschichte der MLU.

Programm zur Tagung: Konjunkturen konfessioneller Differenz
konfessionelle_differenzen.pdf (2,3 MB)  vom 12.01.2016

Archiv: Konfession als Faktor des Verhaltens

22. Herbsttagung des Arbeitskreises „Historische Demographie“ 2015 in Mainz

Institut für Geschichtliche Landeskunde (Tagungsort), Hegelstr. 59, 55122 Mainz

Freitag, 30. Oktober

14:00 Einführung (R. Gehrmann)

14:15 Christian Steuerwald (Mainz/Trier): Religion und Bürgertum. Max Webers Protestantismusthese revisited

15:00 Gudrun Petasch (Frankfurt): Die demographische Entwicklung der Neugründung Neu-Isenburg als Ausdruck einer hugenottischen Habitusformation. Ein Beitrag zur Verifikation der Weberschen Rationalisierungstheorie

15:45 Pause

16:00 Siegfried Gruber (Graz): Der Einfluss der Religion auf das Heiratsverhalten in Albanien um 1900

16:45 Wolfgang Hartung (Duisburg-Essen): Bevölkerungswachstum und Familiengröße. Lutheranische, reformierte und katholische Kolonisten an der Wolga im konfessionellen Vergleich 1764 - 1860

17:30 Pause

17:45 Jan Kok (Nijmwegen): Church affiliation and life course transitions in The Netherlands, 1850-1970

18:30 Rolf Gehrmann (Frankfurt/Oder): Konfession und Demographie in bikonfessionellen Dörfern (am Beispiel der Ortenau)

19:15 Ende des ersten Teils

Sonnabend, 31. Oktober

9:00 Stefan Benz (Bayreuth): Zu möglichen Wirkungen der Konfessionen auf das Geschichtsbewusstsein. Ein Problemaufriss für den deutschsprachigen Raum

9:45 Christoph Nebgen (Mainz): Beschreibung von konfessionellen und wirtschaftlichen Zusammenhängen in den Reiseberichten des 18. Jahrhunderts.

10:30 Pause

10:45 Lena Blodau (Duisburg-Essen): Herrenhuter Kolonien

11:30 Kai-Michael Sprenger (Mainz): Uneheliche Kinder US-amerikanischer Besatzungssoldaten in Rheinland-Pfalz 1919-1923

12:15 Generaldebatte und administrative Fragen

13:00 Ende der Tagung

Die Tagung wird in Kooperation mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde durchgeführt.

Kontakt:
Prof. Dr. Georg Fertig
Institut für Geschichte
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4
06120 Halle
Tel. +49 (0) 345 55 24 273 +49 345 55 24 273  
Fax. +49 345 55 27 287
E-mail:

Archiv: Religion als verhaltensprägender Faktor
Religious Denomination as a Factor of Behavior

21. Herbsttagung des Arbeitskreises „Historische Demographie“ 2014 in Münster

Universität Münster, Exzellenzcluster "Religion und Politik", Johannisstraße 1, Seminarraum JO 101

Seit dem European Fertility Project sind mittlerweile schon einige Jahrzehnte vergangen, die durch die Ergebnisse aufgeworfene Problematik ist aber nach wie vor aktuell. Mangels durchgehender anderer Faktoren wurde der Faktor „Kultur“ erheblich gegenüber den bis dahin dominierenden sozioökonomischen Erklärungen aufgewertet. Eine der wichtigsten statistisch messbaren Variablen – und historisch häufig die einzige – für „Kultur“ ist die Religions- bzw. Konfessionszugehörigkeit. Sie spielt in der Tat beim Fertilitätsrückgang eine große Rolle; auch zu diesem Thema ist die Diskussion nicht abgeschlossen. Aber welchen Stellenwert hat sie in anderen historischen Kontexten? Und wieweit hängt demografisch messbares Verhalten mit anderen Lebensbereichen zusammen? Über welchen methodischen Zugang kann man sich dem Problem am besten nähern?

Um einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen zu leisten, sollen auf zwei Herbsttagungen des Arbeitskreises für Historische Demographie (die zweite findet voraussichtlich am 30.-31.10.2015 in Mainz statt) neuere Forschungen dazu vorgestellt und diskutiert werden. Besonderen Wert wird dabei zum einen auf die internationale Einbindung, zum anderen auf die Erweiterung über den engeren demografischen Bereich hinaus gelegt. Im internationalen Zusammenhang ist das Hauptaugenmerk auf Länder zu richten, in denen mehrere Konfessionen über längere Zeit nebeneinander in ähnlichen wirtschaftlichen Zusammenhängen existierten. Bestimmte konfessionelle Gruppen wiesen dort nicht selten noch weitere Unterscheidungsmerkmale auf, von sozioökonomischen und Stadt-Land-Unterschieden bis hin zu ethnischen. Daraus ergeben sich Vergleichsmöglichkeiten mit Beiträgen zu Deutschland, zu denen hier ausdrücklich aufgerufen wird.

Freitag, 31. Oktober

14:00 Introduction (R. Gehrmann)

14:15 Kevin McQuillan (Calgary) : Denomination as part of identity in Alsace, 19th century

15:00 Nynke van den Boomen (Nijmegen): Region, religion and death: The cultural rigidity of mortality and cause-of-death patterns in the Netherlands, 1875-1899

15:45 Grażyna Liczbińska (Poznan): Ecological conditions vs. religious denomination in Greater Poland in the second half of the 19th and the beginning of the 20th century

16:30 Pause

16:45 Evelien Walhout (Nijmegen): High infant mortality in late nineteenth - and early twentieth-century North-Brabant: did religion play a role?

17:30 Timothy Sauders (Nordenham): "Heimat" revisited: Religious divisions and family life in the Hunsrück during the 18th century

18:15 Anne-Lise Head (Genève): The evolution of religious differences in marriage and fertility in Switzerland (from the 18th to the beginning of the 20th century)

19:00 End of the first session

Sonnabend, 1. November

9:00 Josef Kadeřábek / Veronika Chmelařová (Prag): The impact of confessional migration on the social composition of Bohemian and Silesian towns of the Early Modern Period

9:45 Ion Cârja (Cluj) : The dilemmas of cohabitation. Orthodox and Greek-Catholics in Transylvania in the second half of the nineteenth century and early twentieth century.

10:30 Pause

10:45 Ioan Bolovan (Cluj): Mixed marriages and ethno-confessional identities in Transylvania

11:30 Wolfgang Hartung (Duisburg-Essen) / Julia Galperina (Saratow): Migration, demography and family structure of Germans colonists in the Wolga region since 1764

12:30 General debate and administrative questions

13:15 End of the conference

Kontakt:
Prof. Dr. Georg Fertig
Institut für Geschichte
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4
06120 Halle
Tel. +49 (0) 345 55 24 273 +49 345 55 24 273  
Fax. +49 345 55 27 287
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Archiv: Politische Gartenkunst? Das Gartenreich Dessau-Wörlitz und die Fürstenrepräsentation der Aufklärungszeit

Wenn in der historischen, kunsthistorischen oder literaturwissenschaftlichen Forschung vom Gartenreich Dessau-Wörlitz die Rede ist, so wird dessen Bedeutung meist auf ideengeschichtliche Weise umschrieben: die Schloss- und Parklandschaft wird gleichsam mit den Ideen der deutschen und europäischen Aufklärung in eins gesetzt, auf die Anglophilie des Bauherrn und den Klassizismus seines Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff wird verwiesen und ein enger Zusammenhang zum Philanthropismus in Anhalt-Dessau herausgehoben. Der 1996 erschienene, grundlegende Katalog spricht entsprechend vom „Weltbild Wörlitz“, das sich in der Schloss- und Gartenkunst dem Betrachter offenbart. Kurz um: Der Dessauer Fürst wird mit dem Wörlitzer Garten identifiziert, dieser wiederum mit den Idealen der Aufklärung. Unter anderem auch deshalb konnte in Zeiten der DDR dieses Weltbild mit dem Adjektiv „fortschrittlich“ versehen und Fürst Franz damit von der vermeintlich rückständigen Welt des „Feudalabsolutismus“ positiv abgehoben werden.

Im Rahmen dieser ideengeschichtlichen Einordnung des Gartenreichs wurde der politische Kontext bislang nur unzureichend in die Diskussion einbezogen. Sieht man in Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau vor allem einen (mindermächtigen) Reichsfürst und in Dessau-Wörlitz ein Instrument fürstlicher Repräsentations- und Imagepolitik, so gibt es über deren Botschaft nur vereinzelte, widersprüchliche Annahmen. Wurden das Schloss und der Garten in Wörlitz tatsächlich dem englischen Country House nachempfunden, da der Fürst sich in derselben sozialen und politischen Lage verortete wie die englischen Bauherren? War die Vorliebe des Fürsten für die englischen Landsitze zugleich ein politisches Bekenntnis zu den politischen Idealen der Whig Radicals? Und wie lässt sich dieses vermeintliche, auf das System der englischen parlamentarischen Monarchie ausgerichtete politische Weltbild des Bauherrn vereinbaren mit dessen autoritärem Regierungsstil in Anhalt-Dessau, mit seiner Praxis, sich nicht nur alle politischen Entscheidungen persönlich vorzubehalten, sondern, um ein Beispiel zu nennen, darüber hinaus auch wiederholt in die Rechtsprechung des Landes einzugreifen?

Die Jahrestagung der Dessau-Wörlitz-Kommission soll dazu dienen, diese Fragen erneut kritisch zu erörtern und die politische Bedeutung des Gartenreichs Dessau-Wörlitz auszuloten. Anknüpfungspunkte dafür sind die Arbeiten von Michael Niedermeier (etwa im Blick auf die Verhandlungen im Umfeld des Fürstenbundes in Wörlitz und Franz‘ Position zu den Geheimbünden der Zeit), von Maiken Umbach (die Fürst Franz und seine Gartengestaltung in den Kontext der Geschichte des deutschen Föderalismus eingeordnet hat) sowie auch von Georg Schmidt (der einen ersten Vergleich zu anderen mindermächtigen Fürsten und deren kulturaffiner Politik ausgeführt hat). Es geht uns also um den „politischen Franz“.

Auf der Jahrestagung steht daher die Frage im Mittelpunkt, welche politischen Wirkungsabsichten Leopold III. Friedrich Franz mit der Errichtung von Dessau-Wörlitz erzielen wollte. Insofern interpretieren wir Schlossbau, Gartengestaltung etc. als dezidiert politische Handlungen. Dessau-Wörlitz diente, so ist zu vermuten, einer politischen Inszenierung und enthielt entsprechende politische Botschaften. Somit kann das Gartenreich nicht allein als Rückzugsort oder als philosophisch durchwirkte Welt des ästhetischen Bildungserlebnisses, gleichsam als Gegenentwurf zur politischen Öffentlichkeit verstanden werden. Um die politische Wirkungsabsicht nachvollziehen zu können, ist der Vergleich mit anderen Bauinszenierungen der Zeit notwendig – mit seinen Vorbildern in England ebenso wie mit zeitgenössischen Bauvorhaben im Alten Reich. Die in Dessau-Wörlitz auszumachenden Besonderheiten dürften zugleich einen wichtigen Schritt zum Verständnis der damit beabsichtigten Wirkung bedeuten.

Die Wirkungsabsicht lässt sich dabei weiter auf vielfache Weise thematisieren. Zum einen geht es um den Bauakt und seine Semantik im engeren Sinne, d.h. um die Rolle des Landesherrn als Bauherrn, als Urheber des Schloss- und Gartenbaus. Zum anderen geht es um die in diesem Rahmen geschaffenen Artefakte und die in ihnen enthaltene politische Semantik. Hier lohnt es sich, einzelne Bauten einer gesonderten Prüfung zu unterziehen: vor allem das Schloss und das Gotische Haus wären hier zu nennen. Garten und Architektur werden so als politische Bedeutungsträger in den Blick genommen – zumal in dem Bewusstsein, dass das „Gartenreich“ um Dessau herum ja in einem Entstehungsprozess von fünf Jahrzehnten entstanden ist und es so möglich ist, diese mediale Programmatik des Fürsten mit den wechselnden politischen Zeitläuften zu verknüpfen. Damit kommt auch die Frage nach den Adressatenkreisen für die „Imagepolitik“ des Fürsten in den Blick, womit zugleich auch die Frage nach dem Platz von Anhalt-Dessau in der politischen Öffentlichkeit der Zeit gestellt ist. Schließlich ist es vor diesem Hintergrund möglich, die durch die umfassende Dokumentationsarbeit von Erhard Hirsch umfänglich bekannte zeitgenössische Wahrnehmung von Dessau-Wörlitz und seines Fürsten zu befragen, d. h. genauer die von Dessau-Wörlitz evozierten politischen Zuschreibungen für den Bauherrn und sein Territorium, in den anhaltischen Fürstentümern, im Alten Reich und – soweit festzustellen – in Europa herauszuarbeiten.

Interessenten werden gebeten, sich bis zum 16. September per e-mail für die Jahrestagung der Dessau-Wörlitz-Kommission anmelden (e-mail an: ).  Die Tagungsgebühr beträgt 20,00 Euro bzw. für Studenten ermäßigt 10,00 Euro. Mit diesem Beitrag werden die Unkosten für die Pausenversorgung und den Mittagsimbiss beglichen. Wer am 20. September am gemeinsamen Abendessen im Historischen Gasthaus zum Eichenkranz teilnehmen möchte, sollte dies ebenfalls bei der Anmeldung mitteilen. Der Unkostenbeitrag für das Menü (ohne Getränke) beträgt 15,00 Euro. Alle anfallenden Kosten sind vor Ort im Tagungsbüro zu begleichen.

Tagungsprogramm

Termin: 20./21. September 2013

Ort: Gartenreich Dessau-Wörlitz, Saal des Historischen Gasthauses „Zum Eichenkranz“

Freitag, 20. September

14.30 Uhr: Begrüßungskaffee – anschließend Führung durch das Gotische Haus und Spaziergang durch den Park (mit Reinhard Melzer; Kulturstiftung DessauWörlitz)

16.30 Uhr: Eröffnung der Tagung / Grußworte

17.00 Uhr: Maiken Umbach (Nottingham): Empfindsamkeit, Fortschritt und Gewalt. Politische Bildsprachen in Wörlitz?

17.45 Uhr: Andreas Pečar (Halle): Ästhetische Vorbilder – politische Wahlverwandtschaft? Das Country House als Ausdruck politischer Identität in England und das Problem der Übertragbarkeit

18.30 Uhr: Abendvortrag: Marcus Köhler (Neubrandenburg): Zwischen Weltgeschichte und Mythologie. Ein Erklärungsansatz für den Park Sanssouci

20.00 Uhr: gemeinsames Abendessen im Cafe am Eichenkranz

Samstag, den 21. September

9.30 Uhr: Ingo Pfeifer (Dessau): Dynastische Repräsentation im Gartenreich (Schloß; Gotisches Haus; Monument)

10.15 Uhr: Michael Niedermeier (Berlin): Macht, Memoria und Mätressen. Fürstliche Gartenkunst und der Aufklärungsdiskurs

11.00 Uhr: Kaffeepause

11.30 Uhr: Jan Brademann (Bielefeld): Ein „Toleranzblick“ im Gartenreich? Fürst Franz Religionspolitik im Kontext des Reiches und der anderen Anhaltischen Fürstentümer

12.15 Uhr: Johannes Süßmann (Paderborn): Der Garten als Bauakt. Zur Einrichtung „natürlicher“ Herrschaft im Wörlitzer Gartenreich

13.00 Uhr: Lunch

14.30 Uhr: Roundtable bei Kaffee und Kuchen

Der politische Franz – (Forschungs)Perspektiven auf das Fürst-Franz-Jahr 2017

Moderation: Holger Zaunstöck (Dessau-Wörlitz-Kommission der MLU Halle-Wittenberg)

  • Thomas Weiß (Direktor der Kulturstiftung DessauWörlitz)
  • Andreas Erb (LHA Sachsen-Anhalt, Abt. Dessau)
  • Christian Eger (Mitteldeutsche Zeitung)
  • Andreas Pečar (Dessau-Wörlitz Kommission der MLU Halle-Wittenberg)

Ca. 16.00 Ende


Archiv: Herbsttagung des Arbeitskreises Historische Demographie der DGD, 1.-2. November 2013 in Hagen: Der Nutzen und Nachteil der Ehe: Gründung und Legitimierung von Familien zwischen ökonomischem Kalkül, persönlicher Liebespassion und sozialer Kontrolle

In Zusammenarbeit in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der FernUniversität Hagen

Die Eheschließung ist ein zentrales Thema der historischen Demographie –  aber nicht nur das. Sie spielt eine wichtige Rolle im innerdemographischen Systemzusammenhang von Geburt und Tod, wie ihn die mit dem Modell Louis Henry verbundene „klassische“ Periode der historischen Demographie konzeptualisiert hat. Sie ist aber auch ein zentrales Thema dessen, was Paul-André Rosental als „soziale und politische Bevölkerungsgeschichte“ bezeichnet hat, also eine Geschichte der Bevölkerung, die eben nicht auf einen biologischen, „vitalstatistischen“ Kern reduziert werden kann. Die Eheschließung ist Teil eines Prozesses, der (nicht immer in dieser Reihenfolge) von der Anbahnung einer Liebesbeziehung über das Beziehen eines eigenen Haushalts bis hin zur Geburt von Kindern reichen kann. In diesem Prozess der Eheschließung reagieren Paare auf ökonomische Spielräume und verändern diese; er hat damit zu tun, wie Menschen sich in ihren Rollen und mit ihren Emotionen selbst entwerfen; er ist zudem eingebettet in einen sozialen Zusammenhang, der grundsätzlich durch Teilhabe- und Unterstützungsrechte konstituiert wird. Als Haushaltsgründung betrachtet, produziert jede Eheschließung neue Ansprüche in der lokalen Gesellschaft und kann deshalb lokalen Steuerungsversuchen unterliegen (besonders deutlich im Umgang mit nicht legitimierten, „wilden“ Ehen); als ökonomische Investitionsentscheidung steht sie nicht ohne Alternativen da; als Verfestigung einer persönlichen Beziehung kann sie mit bürgerlich-romantischen Liebesnormen oder auch christlich-alteuropäischen Vorstellungen von Sakramentalität verbunden werden. Die Eheschließung (und im Ferneren: die Alternativen zur Ehe, das Aufrechterhalten und das Scheitern von Ehen) stellt also einen Gegenstand dar, der in ganz unterschiedlichen, füreinander aber relevanten Perspektiven untersucht werden kann.

Kontakt:
Prof. Dr. Georg Fertig
Institut für Geschichte
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4
06120 Halle
Tel. +49 345 55 24 273
Fax. +49 345 55 27 287
E-mail:

Die Arbeitstagung findet in der "Bildungsherberge" statt.

Bildungsherberge der Studierendenschaft der FernUniversität gGmbH
Roggenkamp 10
58093 Hagen

Telefon: 02331 375 1 374
Fax: 02331 375 1 375

Internet:www.bildungsherberge.de   

Programm
AKHD2013.pdf (externe Datei)


Archiv: 3. Tag der Sachsen-Anhaltischen Landesgeschichte

Unter dem Titel "Transformation der Region Sachsen-Anhalt im 19. und 20. Jahrhundert" findet der 3. Tag der Landesgeschichte am 30. November 2012 im Landeshauptarchiv Magdeburg statt. Alle weiteren Informationen zu Kontaktadressen, Anmeldezeitraum etc. können Sie dem Tagungsprogramm (PDF) entnehmen.

Programm zum Tag der Landesgeschichte
tag_landesgeschichte_2012.pdf (870,6 KB)  vom 13.11.2012

Archiv: 19. Jahrestagung des Arbeitskreises Historische Demographie des DGD: Vom Pöbel zum Proletariat? Demographie der Unterschichten und soziale Mobilität.

In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover, Hannover, 26.-27.10.2012

Ein zentrales Thema der deutschen Geschichtswissenschaft besteht in der Frage, woher die Unterschichten eigentlich kommen. Dass es in Deutschland Unterschichten gibt, ist nicht nur für die heutige Politik ein Stein des Anstoßes. Auch die Sozialgeschichte (etwa W. Conze in seinem klassischen Aufsatz „Vom Pöbel zum Proletariat“) und die demographische Theoriebildung (etwa durch G. Mackenroth) interpretierten die Existenz von Unterschichten lange Zeit als dysfunktional: Eigentlich seien Wirtschaft und Bevölkerung in der Vormoderne so aufeinander abgestimmt gewesen, dass es Familien ohne sichere Existenzgrundlage nicht geben konnte, und erst durch die Auflösung der alten Ordnung habe eine Überschwemmung der Gesellschaft durch proletarisierte Massen gedroht – ein demographischer Prozess, der als treibende Kraft sozialen Wandels im 19. und 20. Jahrhunderts gilt. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser überkommenen Sicht erfordert es, systematisch nach der Entstehung und Rekrutierung von Unterschichten zu fragen. Dabei kommt es sowohl auf den empirischen Befund als auch auf die soziale Auseinandersetzung um mögliche Abwehr- oder Steuerungsstrategien an.

Folgende Felder erscheinen uns besonders untersuchenswert: (1) Soziale Mobilität, insbesondere Abstiegs- und Aufstiegsmobilität sowie Migration;

(2) differentielle Reproduktion, insbesondere Heiratsbeschränkungen, Nichtehelichkeit und soziale Unterschiede im Fertilitätsverhalten.

Neben den hier skizzierten Fragestellungen bietet die Tagung auch Raum für Projektvorstellungen außerhalb des Schwerpunktthemas.

Kontakt:
Prof. Dr. Georg Fertig
Institut für Geschichte
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4
06120 Halle
Tel. +49 345 55 24 273
Fax. +49 345 55 27 287
E-mail:

Programm
akhd_2012.pdf (externe Datei)

Archiv: 18. Jahrestagung des Arbeitskreises Historische Demographie des DGD: Verwandtschaft

Der Arbeitskreis Historische Demographie der DGD lädt zur 18. Herbsttagung am 29./30. Oktober 2011 nach Münster, Domplatz 20-22, Raum F 102 ein. Der Schwerpunkt, der von Frau Margareth Lanzinger (Wien) organisierten Tagung, lautet "Verwandtschaft – Geschichte – Netzwerke".

Kontakt wissenschaftliche Tagungsorganisation

Dr. Margareth Lanzinger
Institut für Geschichte der Universität Wien'
Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
1010 Wien
Tel.:
+43 1 4277 40815
Fax: +43 1 4277 9408
E-Mail:

Tagungsorganisation

Christine Fertig
Historisches Seminar
Domplatz 20-22
48143 Münster.
Tel. (0251-) 83-24380
E-Mail:

Programm zur AKHD-Tagung 2011
akhd2011.pdf (externe Datei)

Archiv: 17. Jahrestagung des Arbeitskreises Historische Demographie des DGD: Verwandtschaft

Der Arbeitskreis Historische Demographie der DGD lädt zur 17. Herbsttagung am 29./30. Oktober 2010 nach Halle (Saale), Hoher Weg 4 ein. Der Schwerpunkt, der von Frau Margareth Lanzinger (Wien) organisierten Tagung, lautet "Verwandtschaft".

Kontakt wissenschaftliche Tagungsorganisation

Dr. Margareth Lanzinger
Institut für Geschichte der Universität Wien'
Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
1010 Wien
Tel.:
+43 1 4277 40815
Fax: +43 1 4277 9408
E-Mail:

Tagungsorganisation

Sabine Häseler
Institut für Geschichte
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4
06120 Halle
Tel. +49 345 55 24 301
Fax. +49 345 55 27 287
E-mail:

Programm zur AKHD-2010 Tagung
akhd2010.pdf (externe Datei)

Archiv: Grenzüberschreitungen – Magieglaube und Hexenverfolgung als Kulturtransfer

Internationale Tagung am Deutschen Historischen Institut Paris, 20./21. Mai 2010, veranstaltet von Prof. Dr. Gudrun Gersmann (DHI Paris), Dr. Jürgen Michael Schmidt (Universität Tübingen) und Dr. Katrin Moeller (Universität Halle)

Kontakt und wissenschaftliche Tagungsorganisation:

Dr. Katrin Moeller
Institut für Geschichte
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4
06120 Halle
Tel. ++49 345 55 24 286
Fax. ++49 345 55 27 287
email:

Tagungsprogramm
magieglaubeprog.pdf (externe Datei)

Archiv: "Am Rande der Hanse", 126. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins

126. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins am 24.-27. Mai 2010 in Halle/Saale, veranstaltet von Prof. Dr. Andreas Ranft (Halle), Prof. Dr. Klaus Krüger (Halle) und Prof. Dr. Stephan Selzer (Hamburg).

Anmeldung für Tagung und Hotel bitte bis spätestens 23. April 2010

Kontakt und Tagungsorganisation

Prof. Dr. Klaus Krüger
Institut für Geschichte, Hoher Weg 4, 06120 Halle,
Tel.: 0345-55-24 276 (-24 281), Fax: -27 101,
E-Mail:

Tagungsbüro

24.5.2010, 19.00 Uhr bis 20.30 Uhr
Restaurant Mönchshof

25.5.2010, 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Stadtmuseum – Christian-Wolff-Haus

26.5.2010, 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr
Stadtmuseum – Christian-Wolff-Haus

Tagungsprogramm
126hanse.pdf (externe Datei)

Archiv: Die Kapitalisierung des Krieges.
Kriegsunternehmer in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Internationale Konferenz, 18. bis 20. März 2009

Deutsches Historisches Museum Berlin

Konzeption: Matthias Meinhardt und Markus Meumann

In Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum Berlin, dem Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit e.V. und der Professur für die Geschichte des Mittelalters der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Anmeldung:

Deutsches Historisches Museum Museum-GmbH, z.H. Frau Angéla DeGroot, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Mail: , Tel.: (+49 30) 20 30 4-151, Fax: (+49 30) 20 30 4-152

Auskünfte:

Dr. Matthias Meinhardt, Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, D-06099 Halle (Saale), Tel. 0345-5524305, E-Mail: .

Dr. Markus Meumann, Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung, D-06099 Halle (Saale), Tel.: 0345-5521785, E-Mail: .

Tagungsexposé
konzept.pdf (externe Datei)

Programm
programm.pdf (externe Datei)

Archiv: Der Tod des Soldaten als demokratische Herausforderung. Ein internationaler Vergleich

Programm und Information online unter: Der Tod des Soldaten ...
Tagung geleitet von
Manfred Hettling (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
und Jörg Echternkamp (Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam)
(finanziert durch die Thyssen Stiftung)
Termin: 24.-26.10.2007
Ort: Wissenschaftszentrum Berlin


Kontakt:
Manfred Hettling, Prof. Dr.
Institut für Geschichte, Uni Halle, Hoher Weg 4, 06120 Halle


Anmeldung:


Archiv: Symbolische Interaktion in der Residenzstadt des späten Mittelalters

Tagung des Forschungsprojekts "Stadt und Residenz im mitteldeutschen Raum" am Institut für Geschichte
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
23.-25. November 2006
Ort: Veranstaltungsraum der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt
August-Bebel-Straße 13, 06108 Halle (Saale)

Kontakt:
Gerrit Deutschländer M.A.
Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hoher Weg 4, 06120 Halle (Saale)
Tel. 0345 / 5524308
email:


Archiv: Von der Revolution zur Religion

Festkolloquium zum 60. Geburtstag von Monika Neugebauer-Wölk
13. November 2006

Veranstaltungsort
Interdisziplinäres Zentrum
für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA)
Bibliothek
Franckeplatz 1, Haus 54
06110 Halle (Saale)

Kontakt
Tel. 0345-55-21781
Fax 0345-55-27252
izea@izea.uni-halle.de

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